Zum Inhalt wechseln


Nervenkitzel: Dem Reiz des Risikos verfallen


37 Antworten in diesem Thema

#1 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 01 December 2007 - 02:57

altersvorsorge sagte am 30. November 2007:

"...Hallo Nachtfalke, wie passt das eigentlich zusammen:
Du betreust -den Angaben in deinem Profil zufolge- mehrere Seiten, die sich intensiv mit Glücksspiel beschäftigen
und gleichzeitig bist du auch in einer Glücksspielpräventionsarbeit involviert (gewesen)..."


Das finde ich interessant, dass Altersvorsorge mich in einer PN fragt, inwieweit ich mich einerseits für die Teilnahme am Glücksspiel und deren Optimierung stark machen kann, während ich mich andererseits im Suchtbereich engagiere.
Merkwürdigerweise ist Altersvorsorge der erste, der mit dieser Frage an mich herangetreten ist; ich halte dieses Thema für wichtig und für völlig vernachlässigt bei uns, denn es stellt sich ja notgedrungenerweise die Frage, wie ein Forum, das sich im Bereich gewerblich ausgerichteter Glücksspiele der Spielbanken und der Online-Casinos als Sprachrohr der Spieler versteht und deren Interessen im Web vertritt, zu den Gefahren des Suchtspiels und zu den Problemen der Spielsüchtigen steht.
Interessanterweise nimmt dieses Thema an Brisanz zu, indem die PNs und die eMails, die mich in letzter Zeit erreicht haben, zunehmen - vornehmlich von Forumsteilnehmern, von denen ich dies am wenigsten erwartet hätte.


NACHTFALKEüberBERLIN



.

#2 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 01 December 2007 - 20:54

Einsteigerspieler, Gelegenheitsspieler, Wochenendspieler, Dauerspieler, professionelle Spieler, notorische Spieler, Suchtspieler.
Dieses breite Spektrum von Spielertypen vereint nur eines: die Teilnahme am Spiel.
Sich mit der einen Gruppe Spieler zu beschäftigen, schliesst nicht aus, sich auch mit einer anderen Gruppe zu befassen. Ein Forum für die Spieler ist ein schlechtes (weil einseitiges), wenn es nicht allen seinen Platz bietet. Eine funktionierende, harmonische Spielergemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie jedem die für ihn interessante Nische gewährt, die er hier sucht.

Die Skepsis, die den Worten von Altersvorsorge zu entnehmen ist, wie man auf beiden Seiten Partei ergreifen und sich engagieren kann, pro Spiel und contra Spiel, zeugt schon im Ansatz davon, dass wir, die wir als Spieler in den Lokalitäten des Glücksspiels zwar ständig mit der Situation Betroffener konfrontiert werden, uns am wenigsten über die Hintergründe im Klaren sind, aus der die oben aufgezählten Beteiligten am Glücksspiel überhaupt hervorgehen.

Meiner Meinung nach ist die Vorbedingung, sich zugunsten der Betroffenen (sowohl Spieler, als auch deren Umfeld!) einzusetzen, dass man die Materie aus vielen Perspektiven kennt; noch besser kann es sein (wie in meinem Fall), sich persönlich in den maßgeblichen Nuancen dieses Genres bewegt zu haben.


NACHTFALKEüberBERLIN



.

#3 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 01 December 2007 - 21:05

Zwar fällt hier im Forum oft der Suchtbegriff - auffallenderweise ist die Diskussion hierüber vornehmlich mit den Negativismen des Zokkens und mit dem gesellschaftlichen Abstieg verbunden. Die wirklichen Auslöser, durch die ein Spieler in diese Situation kommt, sind jedoch nie richtig beleuchtet worden. Und ohne sich mit den Auslösern zu beschäftigen und in der Entstehung und in der Entwicklung dieses Prozesses zu einem Ergebnis zu kommen, ist die Gefahr der Diskriminierung der Betroffenen allein aus dem Grund groß, dass unter vielen Urteilenden Unverständnis und mangelnde Kenntnis zu Fehleinschätzungen führt.

Insbesondere der Suchtbegriff lässt sich nicht genau definieren, was die Diskussion nicht einfacher gestaltet.
Sucht ist zu einem Schlagwort der Gesellschaft geworden, dass einen hässlichen und verachtenden Beigeschmack hat, dass Mitleidsgedanken oder Abscheu aufkommen lässt. Dass ein Süchtiger mit seiner Situation ganz zufrieden sein kann, wenn er sie im Griff hat ... dieser Gedanke überkommt die wenigsten, wenn sie sich vorschnell eine Meinung bilden und danach meist falsch handeln, wenn sie offenkundige Schwächen eines Mitmenschen, von dem sie wissen, dass er dem Spiel verfallen ist -kleinkariert und vorurteilbehaftet- immer und zu jedem Missstand als Grund für alles vorwerfen.

Dieser Thread, inspiriert durch Altersvorsorges Frage an mich (und eine Reihe von Fragen anderer Forumsteilnehmer, die mich ausdrücklich gebeten haben, ihre Namen hier im Forum nicht zu nennen), soll ein Thema, das wider Erwarten mehrere unter uns betrifft, mal von einer ganz anderen Seite angehen ... es soll aufzeigen, inwieweit es letztlich die Gesellschaft ist, die uns Lebenswerte nimmt und uns dafür ersatzweise Ideale präsentiert, die geradezu dafür geschaffen sind, in labil veranlagten Menschen die Spielsucht zumindest zu fördern!!

Dies, Altersvorsorge, war einer der Schwerpunkte, mit denen ich mich in Suchtgruppen, mit Verhaltensforschern und im Rahmen meiner Tätigkeiten und Funktionen mit den Medien hinsichtlich der Publikation dieser Umstände beschäftigte.


NACHTFALKEüberBERLIN



.

#4 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 01 December 2007 - 23:44

Wie ich als Antwort auf Altersvorsorges Frage schon bemerkte, ist die Vorbedingung, sich zugunsten Betroffener einzusetzen, dass man die Materie aus allen Perspektiven kennt; es ist allein eine Frage der Akzeptanz seitens der Betroffenen, die in der Beratung ihrer Probleme nicht gewillt sind, offen zu sprechen, wenn sie keinen Gesprächspartner haben, der ihnen kompetent erscheint.
Sich unter verschiedenen Umständen » Leben zwischen Freiheit und Spielsucht in den unterschiedlichen Schichten bewegt zu haben, zieht nach sich, dass man im Lauf der Zeit in einem extrem höheren Maß mit der Materie Roulette verbunden ist, als ein „normaler“ Spieler. Und dies ist zumindest förderlich für die Akzeptanz.

Man kann mich in jedem Fall als einen Extremspieler bezeichnen.
Einige von euch, die mich näher kennen gelernt haben, werden das bestätigen, dass meine Verbundenheit zu Roulette eine derart große Nähe darstellt, dass das Bemühen um die Erlangung von Kenntnissen, die Anwendung derselben und das Kontaktieren in der Szene nach dreißig Jahren absolut in den Vordergrund traten. Diesen Schritt kann man nicht als gewöhnlich bezeichnen. Ich begann meine Beobachtungen in Spielbanken und die ständige Präsenz von Schicksalen um mich herum zu skizzieren, deren „Karrierestationen“ -soweit ich sie mitbekam- zu sammeln und fast automatisch begann eine Schablonisierung; es ist in etwa so, wie der Katalog Ulrichs, aus dem er seine nach ihm benannte Strategievariante ableitete, dementsprechend aus dem Kessellauf, auf den Mitspieler extrem reagieren und tendenziell gewinnen oder verlieren, Ullrich auf seine eigenen Einsätze Rückschlüsse zog.

Bei mir war das anders.
Sinnübertragen zog ich die Rückschlüsse aus den Schicksalen anderer auf mein Leben.
Meine „Signale“ dienten sozusagen nicht den Einsätzen in meiner Spielstrategie, sondern sie waren Bestandteil eines Puzzles, dessen einzelne Stücke Symptome aufzeigten, aus deren Konstellation zueinander, der Rückschluss auf den Spielertypus gezogen werden konnte.
Ich zog die mir zur Verfügung stehenden Signale für meinen „Lebenseinsatz“ aus dem Auf- und Ab des Lebens meiner „Mitspieler“ und so verfügte ich bald über ein ganzes Register von Spielertypen, deren Verhalten an den Spieltischen sehr viel über deren Erfolge oder über deren Misserfolge aussagte... ...allerdings weniger bezogen auf die Tische, an denen sie spielten, und auf die Ergebnisse ihres Spiels, als auf die Positionierung in ihrem Leben.

Ich muss allerdings eingestehen, dass ich dies Anfang der 80iger-Jahre nicht begann, weil ich sozial veranlagt war, sondern weil ich anhand der mir bekannten Strategien, aus dem Verlauf des Spiels anderer Spieler einen Nutzen zu ziehen, ableitete, die einfachere Methode sei die der charakterlichen Schwächen dieser Spieler; man brauche in diesen Spielabschnitten lediglich gegen deren Einsätze zu spielen - nicht weil diese Spieler eine gute oder schlechte Phase ihres Spiels hatten, sondern weil ich den Schwachpunkt festhalten wollte, innerhalb dessen sie allein von ihrem Verhalten her nicht mehr in der Lage waren, zu gewinnen.


NACHTFALKEüberBERLIN



.

#5 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 02 December 2007 - 00:02

Bei meinen Studien, die ja seinerzeit nicht auf das Soziale abzielten, wofür sie viel später einmal Verwendung finden würden, ergaben sich mir merkwürdig anmutende Erkenntnisse in der Unterscheidung von Dauergästen einer Spielbank im Unterschied zu vorübergehenden Besuchern.
Letztlich suchte ich immer den Anschluss zu den Stammspielern, um möglichst schnell im Umgebungsfeld des jeweiligen Casinos involvieren zu können, da ich über viele Jahre hinweg monatlich -ja manchmal innerhalb weniger Tage- den Standort wechselte; andererseits war ich somit selbst vorrübergehender Gast.
Somit stand ich in ständigem Kontakt zu den zwei Gruppen (Stammspielern und Fremdspielern), was meine Rückschlusstheorie (wenn wir sie mal so nennen wollen) zu einer bald optimierten Perfektion gereichen liess.

Dabei erschlossen sich mir recht schnell immer wiederkehrende Modellverhalten dieser beiden Gruppen.

Es erschien mir merkwürdig, dass diejenigen, deren Aufenthalt an den Tischen dauerhaft war (die also einen Großteil ihrer Zeit in den Spielbanken verbrachten) keineswegs unglücklicher waren, als diejenigen, die „just-for-fun“ alle zwei drei Tage oder in weit größeren Zeitabständen die Spielsäle besuchten. Dabei war dies keineswegs abhängig von deren Einsatzhöhen oder deren Erträgen/Verlusten - die Stammspieler der Casinos nahmen solche Ergebnisse mit einer ganz anderen Mimik, begleitet von einem anderen charakterlichen Verhalten und in einer anderen Motivation auf, als die Gelegenheitsspieler.
Allein der Verbund der einzelnen Gäste zueinander war unter den Stammspielern in einem Casino fast schon als intim zu bezeichnen. Diese „Intimität“ rührt unter anderem auch von der Tatsache her, dass viele Dauerspieler ihre Vorliebe am Glücksspiel außerhalb des Casinos verschweigen. So kenne ich eine Reihe von Fällen, in denen den Familien der Betroffenen gänzlich unbekannt war, dass der Familienvater in den Nächten zokken ging.

Wechselte ich nach Wochen die Spielbank, dauerte es oft Wochen, bis ich Anschluss zu dem Stamm der Spieler eines Hauses fand. Hier gelten eigene Gesetze - nicht jeder ist willkommen.
Erst später bemerkte ich, dass es bei vielen auch eine Art „Schutzverbund“ war - eine kleine Organisierung gegen herablassende, finanzstarke Lästerer: sie (die Dauerspieler) seien Habenichtse und stellten lediglich die Statisten im Spielsaal an besucherschwachen Tagen dar, damit der Spielsaal nicht so leer aussehe, wenn die wahren Spieler ausbleiben. Sie seien... ... ...die Spielsüchtigen.

Dass es in Wirklichkeit genau diese herablassende Gästegruppe war, die in hohen Jetonwerten die Tableaus voll pflasterte und mit leeren Taschen nach Hause kam, die das jeweilige Casino und mit ihren hohen Troncabgaben die Angestellten finanzierten, merkt man, wenn man längere Zeit in einem Haus verkehrt. Hier stellt sich der Hang zum Registrieren der Gästegruppen ein, die verbal laut tönend mit lachenden Faces den Saal stürmen - und die mit hängenden Mundwinkeln einige Stunden später durch den Seiteneingang des Saals nach draußen schleichen. Viele von ihnen konnten die hohen Zechen der ersten Stunde am Schluss nicht mehr bezahlen ... auch so eine Beobachtung: ein Stammgast zahlt seine Rechnung immer (reine Logik der Sache - sonst wäre er keiner mehr).
:spocht_2:

NACHTFALKEüberBERLIN



.

#6 sachse

    Hai-Roller

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 15453 Beiträge

Geschrieben 02 December 2007 - 22:21

Beitrag anzeigenNachtfalke sagte am 2 Dec 2007, 19:28:

Rein rechnerisch machen die Betreiber allein auf Grund des Auszahlungsverhältnisses grundsätzlich ihren Gewinn - indes: es ist der ihnen mit fortschreitender Zeit des gewerblichen Glücksspiels garantierte(!) Gewinn; den größten Gewinnanteil machen die Betreiber mit der Unfähigkeit der Spieler, sich zu beherrschen und mit den Suchtspielern.
Jede andere Darstellungsweise des Roulettespiels ist sachfremd, realitätsfern und zeugt von einem krampfhaften Zählzwang gefallener Coups, aus denen heraus nur der Zeitpunkt abgepasst wird, wann das 37igstel der Bank zum Tragen kommt ... im fünfundzwanzigsten oder im siebzehntausenddreihundertvierundfünfzigsten Coup.
Der Charakter eines Menschen ist unabdingbar mit dessen Erfolg oder mit dessen Misserfolg am Tisch verbunden.
.
Bevor ich von Schwachsinn rede(für den ich es natürlich halte),
würde ich für diese abenteuerlichen Thesen gern eine sachliche Begründung hören.


sachse

#7 jason

    Analytiker

  • User
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 2568 Beiträge

Geschrieben 02 December 2007 - 22:23

Beitrag anzeigenNachtfalke sagte am 1 Dec 2007, 21:05:

Dass ein Süchtiger mit seiner Situation ganz zufrieden sein kann, wenn er sie im Griff hat ... dieser Gedanke überkommt die wenigsten,

Wer hat wen im Griff ?

Ich habe Alkoholiker, Junkies und Spieler erlebt, die auf ihre Situation angesprochen, immer " alles im Griff " hatten.
In einem der seltenen, besonnenen Momente hatten sie eines gemeinsam - sie haben es verflucht :spocht_2:

Bearbeitet von jason, 02 December 2007 - 22:34.


#8 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 03 December 2007 - 00:36

Beitrag anzeigensachse sagte am 2. Dezember 2007:

"...Bevor ich von Schwachsinn rede (für den ich es natürlich halte), würde ich für diese abenteuerlichen Thesen gern eine sachliche Begründung hören..."
:spocht_2:
Nett, dass Du damit noch wartest, Sachse.
:bye2:

#9 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 03 December 2007 - 00:57

Beitrag anzeigenjason sagte am 2. Dezember 2007:

"...Wer hat wen im Griff ?
Ich habe Alkoholiker, Junkies und Spieler erlebt, die auf ihre Situation angesprochen, immer " alles im Griff " hatten.
In einem der seltenen, besonnenen Momente hatten sie eines gemeinsam - sie haben es verflucht..."

Irgendwo hast Du natürlich Recht, Jason.
Ich habe das etwas unglücklich ausgedrückt, denn wenn jemand seine Sucht in den Griff bekommen hat, dann hat er sie ja zugleich besiegt.

Ich habe das angelehnt an meine seinerzeitige Beteiligung an der Arbeit in Suchtgruppen, die einige Leute genau in dem von Dir beschriebenen "...seltenen, besonnenen Moment..." aufsuchten; sonst wären sie da vermutlich nie erschienen, wenn es diese Momente nicht gegeben hätte.
(zu der Bezeichnung Suchtgruppen möchte ich später noch etwas sagen, weil sie eigentlich falsch ist)

Fast alle Betroffenen kommen in solchen Momenten mit dem festen Vorsatz des Aussteigens.

Es ist aber, wenn man einige Erfahrung in diesem Bereich bekommen hat, illusorisch, davon auszugehen, dass die Betroffenen diesen Vorsatz länger als einige Tage haben, bis der Hang sie erneut überkommt, sich der Sucht zu beugen.

Da ich nichts mit Alkoholokern und Junkies zu tun hatte, sondern ausschliesslich mit Spielern, habe ich vielen empfohlen, sie sollen eine feste Begrenzung in ihr Spiel setzen, die sie zum Zeitpunkt des Casinobesuchs nicht brechen können, um weiter am Spiel teilhaben zu können, ohne erneut ein Suchtopfer zu werden. Eine selbst auferlegte Beschränkung.

Das hat in einigen Fällen hervorragend (!) funktioniert.

Ich schrieb schon an anderer Stelle in diesem Forum von solch einem Fall - ein Spieler, den ich in den Casinos immer wieder traf, und der auf diese Weise glücklich (!) wurde. Er kann heute nur noch in von seinem Wohnort entfernteren Spielbanken spielen und nimmt nur noch eine sehr begrenzte Menge Geld in die Casinos mit.
Keine Kreditkarte, die Rückfahrkarte immer in der Tasche.
Dieser eine besagte Spieler konnte mir freudig berichten, dass er seinerzeit erstmalig seit bereits längerer Zeit sogar zu den Gewinnern zähle.

Ich halte das für einen wirklichen Erfolg.

Ich halte es dagegen für einen Misserfolg, sich von etwas krampfhaft zu entziehen, was man auf Dauer ohnedies nur selten schafft, denn das, was man gemeinhin als Spielsucht bezeichnet -insbesondere im Fall pathologisch Kranker!- ist schlechthin so gut wie nicht heilbar (im medizinischen Sinn).


NACHTFALKEüberBERLIN



.

#10 Monopolis

    Analytiker

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 5259 Beiträge

Geschrieben 06 December 2007 - 07:20

GELÖSCHT

Bearbeitet von Monopolis, 06 December 2007 - 07:21.


#11 mondfahrer

    Analytiker

  • Mitglied
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 1701 Beiträge

Geschrieben 06 December 2007 - 13:07

hallo Nachtfalke,

Zitat

Das finde ich interessant, dass Altersvorsorge mich in einer PN fragt, inwieweit ich mich einerseits für die Teilnahme am Glücksspiel und deren Optimierung stark machen kann, während ich mich andererseits im Suchtbereich engagiere.

interessiert mich auch, wie bereits früher signalisiert ( es schien Dir aber unangenehm zu sein)


Zitat

Merkwürdigerweise ist Altersvorsorge der erste, der mit dieser Frage an mich herangetreten ist

ja, es ist in der Tat merkwürdig , ausgerechnet altersvorsorge ...

wieso der "erste" ? - das kann doch wohl nicht wahr sein ? - meinst Du damit : der erste "Süchtige" ?

Zitat

Fast alle Betroffenen kommen in solchen Momenten mit dem festen Vorsatz des Aussteigens.

kleine Korrektur : befristet fester Vorsatz, d.h. wenn am nächsten Tag der Strohhalm lockt, gehts´s weiter , besonders, wenn diese Fortsetzung zum Erfolg geführt hat (" ich hab´s geschafft") oder man es zumindest behauptet, siehe jüngstes Beispiel.



mondfahrer

#12 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 06 December 2007 - 22:36

Beitrag anzeigenmondfahrer sagte am 6. Dezember 2007:

"...kleine Korrektur : befristet fester Vorsatz, d.h. wenn am nächsten Tag der Strohhalm lockt, gehts´s weiter , besonders, wenn diese Fortsetzung zum Erfolg geführt hat (" ich hab´s geschafft") oder man es zumindest behauptet, siehe jüngstes Beispiel..."

Völlig richtig!
Es gibt keine mir bekannte Abhängigkeit, soweit sie nicht von berauschenden Substanzen her rührt, die nicht in Wellen erfolgt. Mit Deckung des Bedarfs, die für den Betroffenen eine Befriedigung darstellt, ist ein Zustand erreicht, der einer Sättigung entspricht; in dieser Phase erreichen Süchtige oft den Zustand des sich Abwendens vom Gegenstand ihres Begehrens (beim Spieler durch die Abwendung vom Spiel) - sie praktizieren dabei aber auch die Abwendung von vielen anderen Dingen ihres Umfelds.

Die Problematik des Suchtverhaltens bei nichtstofflichen Süchten liegt im Wesentlichen in der Sättigungsgrenze. Während bei stofflichen Süchtigen ein Überschreiten der maximal verträglichen Menge zum Exitus führen kann, hat der Suchtspieler ein Problem, dass ihm meist überhaupt nicht bewusst ist!

Weniger die Tatsache, dass ein Spielsüchtiger immer wieder zum Gegenstand/Prozess seines Begehrens Kontakt sucht (nämlich zum Spiel, vielmehr zu dessen Beteiligung an ihm) wird ihm zum Verhängnis, sondern die Tatsache, dass ihm sein Grundproblem überhaupt nicht klar wird.
Im Gegenteil: nicht die Liebe zum Spiel als solche unterscheidet ihn von der Masse der Spieler, sondern die uneingeschränkte Fortsetzung seiner Teilnahme am Spiel hindert ihn dies zu erkennen... ... ... ...


NACHTFALKEüberBERLIN



.

#13 altersvorsorge

    Analytiker

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 1150 Beiträge

Geschrieben 06 December 2007 - 23:22

Beitrag anzeigenNachtfalke sagte am 6 Dec 2007, 22:36:

Die Problematik des Suchtverhaltens bei nichtstofflichen Süchten liegt im Wesentlichen in der Sättigungsgrenze. Während bei stofflichen Süchtigen ein Überschreiten der maximal verträglichen Menge zum Exitus führen kann, hat der Suchtspieler ein Problem, dass ihm meist überhaupt nicht bewusst ist!
Hallo Nachtfalke,

ich werde in den nächsten Tagen mit meinen subjektiven Beiträgen versuchen, das Spielproblem unter besonderer Berücksichtigung der inneren Motive und des herrschenden Zeitgeistes aus meiner ganz eigenen Sicht skizzenhaft darzustellen, um gleichsam in der Lage zu sein, diejenigen Charaktere ermitteln zu können, deren Anfälligkeit für das Spiel als markant zu bezeichnen ist.

Dabei müssen bestimmte medizinische Vorgänge aus verständlichen Gründen unberücksichtigt bleiben, z.B. Dopaminausschüttung im Gehirn etc - dafür müssen die Wissenschaftler bestehende Erkenntnisse in der Anwendung optimieren und neue Erkenntnisse finden.

Mich haben von jeher die Motive und die Entwicklung von Menschen interessiert, so wie schon der große Dostojewkji vor mehr als 100 Jahren seinen Spielertyp geschildert hat. Heute muss diese Herangehensweise an die Zeit angepasst werden.
Mich interessieren dabei nicht Bauern oder Proleten, sondern interessante Figuren!

Die geistigen Bauern und Proleten nehmen nämlich einen immer größeren Teil unserer Umgebung ein, was biologische Gründe hat.

Ich möchte beginnen mit dem 1.Motiv Reiz.

Der Spieler, welcher einen Gewinnreiz beim Tätigen seines Einsatzes und bei der Erwartung des Gewinnergebnisses verspürt, würde vermutlich von "Nervenkitzel" sprechen. Das dürfte objektiv richtig sein, impliziert jedoch nicht die Psyche, sondern allein das vegetative Nervensystem. Und ausserdem handelt es sich nur um die Wirkung, nicht um die Ursache.
Wo liegen nun aus meiner Sicht die Ursachen? Hierzu möchte ich morgen übergehen.

Altersvorsorge

Bearbeitet von altersvorsorge, 06 December 2007 - 23:24.


#14 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 06 December 2007 - 23:39

Beitrag anzeigenaltersvorsorge sagte am 6. Dezember 2007:

Beitrag anzeigenNachtfalke sagte am 6 Dec 2007, 22:36:

Die Problematik des Suchtverhaltens bei nichtstofflichen Süchten liegt im Wesentlichen in der Sättigungsgrenze. Während bei stofflichen Süchtigen ein Überschreiten der maximal verträglichen Menge zum Exitus führen kann, hat der Suchtspieler ein Problem, dass ihm meist überhaupt nicht bewusst ist!
:bigsmile: Hi Altersvorsorge,
prima!!!!

Der Suchtspieler hat ein Problem.
Es ist nicht das Spiel!!!
Das Problem ist ihm meist überhaupt nicht bewusst!


Wisst ihr, warum dem Spieler sein eigentliches Problem garnicht bewusst ist?
...welches Problem ich meine?
Worin es eigentlich liegt?

#15 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

  • Mitglieder
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 6753 Beiträge

Geschrieben 07 December 2007 - 00:09

Die Antwort leitet sich vom Erreichen eines Zustands ab - nämlich in Verbindung mit einer Erwartungshaltung.

Im Gegensatz zum Konsumenten von stofflichen Suchtmitteln, bei denen

  • das Erreichen der Sättigungsgrenze spürbar ist
  • oder sogar gefährlich wird
befindet sich demgegenüber der Suchtspieler in der Situation,

  • dass er die Sättigungsgrenze gar nicht erreichen kann
  • und dass er keine direkte Gefahr verspürt.
Sein Grundproblem ist somit ein ständiges, akutes und mangels Erreichen des Ziels! sich immer wiederholendes Begehren.

Diese Tatsache besteht unter anderem in dem Umstand, dass es überhaupt nicht auf das Ergebnis des Spielverlaufs ankommt, ob ein Suchtspieler gewinnt oder verliert,
indem der Verlierer sich seinen Verlust zurückholen will
oder der Gewinner sich bestätigt sieht, erneut zu spielen.

Und genau der zuletzt umschriebene Umstand macht es selbst für Experten schwierig, ab welchem Grad des Spielens ein Spieler als Suchtspieler zu bezeichnen ist,...

...zum Beispiel, ab wann das Sammeln von Briefmarken zur Sucht wird,
oder von welcher Intensität an der Arbeitende zum Workoholic wird,
oder ab welchem Extrem ein Marathonläufer sich seinen Adrenalinschock nur noch erfüllen kann,

wenn er bis zur Erschöpfung und schliesslich bis zur Selbstzerstörung läuft,

oder ab welcher Ausschliesslichkeit des Erlangens von Libido ein SM-Fetischist seine Sexualpartner den Tod zufügt.

Kaum jemand macht sich Vorstellungen, wieviele Süchte uns die Gesellschaft offeriert.
Angeboten von cleveren Geschäftsleuten.
Verpackt in gesellschaftsfähige Rahmen.
Die Trends unserer Gesellschaft.
Epochale Bewegungen.
Trendsetting



Trends.
Pokern ist „in“. SMSen ist „in“. Flatsaufen ist „in“. Singlechatten ist „in“. Koksen ist „in“. Ego-Shooter ist „in“.


Genauer betrachtet steht hinter allen Trends eine gewaltige Lobby, die dies steuert. Die konzertierten Aktionen einer zwischenzeitlich weltweit operierenden Geldmafia. Die uns Lebenswerte nimmt und uns diese neuen Lebenswerte anbietet. Und sie sind suchtgefährdend. In vermeintlicher oder tatsächlicher Ermangelung von zuvor bestandenen Lebenswerten sucht der Einzelne in der Gesellschaft sich neue Reizwerte.

So verschieden Extremverhalten -wie Spielsucht oder Sexualsucht- sind, sie haben eines gemeinsam:
Ihre Grenzwerte sind nicht festgelegt!

Das Übertreten einer Reizschwelle zur Erlangung eines Zustands
öffnet die Pforte auf den Weg bis zum Nervenkitzel


Es ist der Weg, den wir unbewusst alle gehen.


Manche können nicht umkehren.


NACHTFALKEüberBERLIN




.





Besucher die dieses Thema lesen: 1

Mitglieder: 0, Gäste: 1, unsichtbare Mitglieder: 0