Literatur aus dem Lager der Roulettegegner
Die Fragestellung, ob man über die Teilnahme am Roulettespiel zu schnellem Reichtum kommen kann, wird von dem Autor meines Buchtipps glattweg verneint, weshalb er mir von vornherein sympatisch war, bevor ich das Buch überhaupt gelesen hatte (mir hingen die Seelenverkäufer zum Hals heraus, die ihre Idee, die sie selbst nicht in der Lage waren umzusetzen, nun in Buchform an die dumme Masse bringen wollen).
Der Autor heißt
Claus Koken und sein Buch ist in seinem Anliegen so einfach, wie sein Einband vom
Oldenbourg-Verlag nicht spektakulär und marketingorientiert gestylt wurde. Es heißt ganz einfach
Roulette
Koken analysiert die verschiedenen Spielmethoden durch Computersimulationen.
Wahrscheinlichkeitstheoretische Zusammenhänge werden tiefgründig analysiert; vermeintliche Gewinnstrategien, wie die bekanntesten Progressionen, werden mathematisch schlichtweg ad absurdum geführt, genau wie die zu erwartende Erfolgslosigkeit eines Masse-Egale-Spiels.
Die Zufallskennwerte der Roulettechancen sind auch für den Nichtmathematiker nachvollziehbar. Serien und Intermittenzserien werden untersucht. Die Naturgesetze der intuitiven Setzweise.
Koken räumt rücksichtslos auf mit dem kasinoeigenen Kaffeesatz, der Spielern Millionen kostet und der den Nährboden für das Suchtspielen aufbereitet.
Für Koken ist Roulette gewissermaßen eine Leute-Verdummung, wenn sie ernsthaft Geld damit verdienen wollen. Der
Zufall ist der Geldverteiler und Koken lässt -will man seinen Ausführungen bedingunglos Glauben schenken- keinen Zweifel daran, dass der mathematische Vorteil der Bank nur über kleine Strecken des Geschehens, die er als "erlaubte Spielstrecken" bezeichnet, zu kompensieren ist. Gerade weil er sich ins
Lager der Roulettegegner gereiht hat, ist es um so spannender für den Leser, worin er, Koken, die Möglichkeit sieht, der Bank gegenüber zeitweise in die Vorteilsposition zu geraten.
Das Buch enthält die wichtigsten mathematische Formeln, sowie die Verfahren, die bei der Teilnahme am Spiel Verwendung finden. Wenn nicht gerade Kesselsektoren- und Wurfweitenspieler zu Kokens Werk greifen (aber die guten unter ihnen kennen diese Pflichtlektüre wohl ausnahmslos!), finden die Leser grundsätzlich die mathematischen Grundlagen ihres eigenen Spiels. Und sie finden heraus, wie sie ihr Spiel -mathematisch belegt- optimieren können.
Das Buch zeigt nicht auf, wie man gewinnt, sondern wie man weniger verlieren kann. Aber das mit brachialer Überzeugungskraft und in unstrittiger Logik.
Dem Buch fehlen leider Anmerkungen zu Spielpraktiken, die sich an den physikalischen Gesetzen im Kessel orientieren, sowie Berechnungen überlagerten Spiels - vielleicht wäre der Autor dann zu etwas anderen Schlüssen gekommen
Ein Muss für jeden Roulettespieler (aber die meisten von Euch kennen Kokens Werk sicherlich).
Beim Kauf auf die neueste Auflage achten, weil einige in den ersten Ausgaben enthaltene Fehler korrigiert werden mussten!!
Viel Spaß beim Lesen.
NACHTFALKEüberBERLIN
Bearbeitet von Nachtfalke, 31 October 2006 - 11:18.