Es gibt auch den
90-Minuten-Rhythmus im Schlaf
Aus einem Bericht des Fernsehprogramm-Magazins „tv14“ vom 30.10.2004:
Der Bio-Rhythmus
des Schlafes
Autoren: VERA BAJIC/GELA BRÜGGEMANN
Neue Forschungsergebnisse beweisen: Der Schlaf verläuft in Rhythmen. Wer diese Taktgeber berücksichtigt, schläft nicht nur besser, sondern auch gesünder.
Er geht vor Mitternacht ins Bett, schläft 8,5 Stunden, hat kaum Aufwachmomente – Ken Davis schläft wie ein Murmeltier. Und trotzdem fühlt sich der Jurastudent morgens wie gerädert, leidet unter massiven Konzentrationsstörungen und einem verminderten Reaktionsvermögen. Damit ist er für den Schlafforscher
Dr. Carl E. Hunt vom Zentrum für Schlafstörungsforschung in Bethesda (USA) kein Einzelfall. Der Wissenschaftler machte folgende Entdeckung:
„Der Zeitpunkt des Aufwachens gehört zu den am meisten unterschätzten Müdigkeitsauslösern.“ Seine kuriose Empfehlung an den Studenten:
„Stehen Sie eine Stunde früher auf.“ Zwei Wochen später fühlt sich Ken Davis wie neugeboren.
Bislang konzentrierte sich die internationale Forschung lediglich auf den Aspekt der Ein- und Durchschlafstörungen. Dabei wurde jedoch ein zentrales Feld kaum berücksichtigt: das Geheimnis
des gesunden Schlafes: Der Bio-Rhythmus.
Mehr als hundert verschiedene Rhythmen konnten die Forscher nachweisen, davon ein Dutzend nur für den Schlaf. Sie entscheiden wesentlich darüber, ob wir gesund schlafen – oder uns schlapp und müde fühlen. „Doch unser modernes Leben geht immer stärker gegen die Taktgeber des Körpers an“, sagt Prof. Jürgen Zulley, Schlafforscher der Uni-Klinik Regensburg, „24-Stunden-TV-Programm, nächtliche Internet-Chats, Fitness-Studios, die rund um die Uhr geöffnet haben.“
Die Grenzen zwischen Tag und Nacht verschwimmen immer mehr. Nicht ohne Folgen: Fast 80 Prozent aller Schlafstörungen hängen mit arhythmischem Leben zusammen. Aus diesem Grund haben Somnologen (Schlafforscher) jetzt drei zentrale Schlafrhythmen ausgearbeitet, die für eine optimale Nachtruhe sorgen. Das Besondere dabei: Diese Faktoren wirken sich sogar auf diejenigen aus, die überzeugt davon sind, gut zu schlafen. Tests ergaben:
Wer diese einfachen Regeln vier Wochen lang beherzigt, verbessert seinen Immunstatus, seine Leistungsfähigkeit und seine Konzentrationsstärke um bis zu 30 Prozent.
Der 90-Minuten-Rhythmus
Wie in Wellenbewegungen bereisen wir während des Schlummerns
fünf verschiedene Phasen, die jeweils 90 Minuten andauern und sich 4-6mal pro Nacht wiederholen.
Ganz neu ist die Erkenntnis amerikanischer Forscher, dass es nicht egal ist, zu welchem Zeitpunkt man morgens aufsteht. Rat der Experten: Am besten ist es, am Ende des 90-Minuten-Rhythmus aufzustehen, also nach
6, 7 ½ oder 9 Stunden . Schlafforscher
Dr. Hunt: „Dieser Zeitpunkt entspricht dem natürlichen Bio-Rhythmus des Menschen. Die innere Uhr ist zu diesem Zeitpunkt ohnehin auf Wachsein eingestellt.“
Der Einschlaf-Rhythmus
Bis zu 20 Minuten dauert der Übergang vom Einschlafen in den Leichtschlaf. In dieser Zeit durchläuft der Körper eine Phase der Entspannung. „Wer nach 20 Minuten noch nicht eingeschlafen ist und anfängt zu grübeln, sollte wieder aufstehen“, so der Neurologe
Dr. Clifford Saper. Grund:
Das optimale Einschlaffenster wurde verpasst. Sein Rat: „Beschäftigen Sie sich in den folgenden 40 Minuten bewusst mit etwas anderem. Erst danach öffnet sich wieder ein neues Schlaffenster und der Körper profitiert für weitere 20 Minuten von optimalen Einschlafbedingungen.“
Der Verdauungsrhythmus
Studien haben ergeben: Ein üppiges Mahl nach 20 Uhr stört den Schlaf ebenso sehr wie ein Vollrausch. Grund: Spezielle Eiweißstoffe geben der inneren Uhr den Befehl, die Schlafhormone verzögert auszuschütten, da jetzt erst mal die Verdauung Priorität hat. Besser ist es, die letzte Mahlzeit mindestens drei bis vier Stunden vorm Zubettgehen zu sich zu nehmen. Optimaler Zeitpunkt: 19 bis 19 Uhr. „Sowohl fettiges Essen als auch Alkohol verden vor allem zu dieser Zeit besonders gut abgebaut“, sagt der Bio-Rhythmus-Forscher
Jim Dawson. Faustregel für einen gesunden Schlaf: Die nächste Mahlzeit besser erst wieder am darauf folgenden Morgen einnehmen.
Der Schlafrhythmus
Somnologen (Schlafforscher) haben entdeckt:
Der Schlaf gliedert sich in 5 Phasen. Die Schlafqualität der einzelnen Anbschnitte kann jedoch durch scheinbar belanglose Faktoren immens gestört werden.
Die 5 Phasen des Schlafes
1. EINSCHLAFPHASE
Der Körper befindet sich zwischen Wachsein und leichtem Schlaf. Studien ergaben: Die elektromagnetischen Wellen eines eingeschalteten Handys am Bett und sogar im Nebenraum verhindern das Einschlafen. Handys also nachts immer ausschalten.
2. LEICHTER SCHLAF
Die Körpertemperatur nimmt in dieser Phase um ca. 0 4°C ab. Tests zeigen: Wer mehr Temperatur verliert, weckt das Alarmsystem des Körpers – und wird wach. Faustregel: Immer eine der Jahreszeit entsprechende Decke verwenden.
3. ERSTER TIEFSCHLAF
Jetzt wird der Schlaf tiefer. Ein Schutz-Relikt aus früheren Zeiten: Das Gehör funktioniert weiterhin. Selbst Kühlschrankgeräusche reißen aus dem Schlaf. Tipp: Zimmertür schließen.
4. TIEFSCHLAF
Der Schlaf hat seine tiefste Phase erreicht. Jetzt verarbeitet das Gehirn Erlerntes. Gehirnforscher stellten fest: Horrorfilme am späten Abend stören diesen Lernprozess, wirken wie eine Löschtaste.
5. TRAUMSCHLAF
REM-Schlaf (Rapid Eye Movements) heißt dieser Abschnitt. Das Gehirn träumt. Die Hirnrinde wird stärker durchblutet – das strengt den Körper an. Effekt: Zu langer Schlaf erschöpft. Acht Stunden sind optimal.
Zitat
Nur im bebilderten Bericht sind die dazugehörigen Computer Tomographien zu sehen:
Auf den Spuren der Träume
Wie unser Gehirn träumt
Neue Technologie macht sichtbar was in den Hirnarealen passiert, wenn ein Mensch träumt. Das Bild links zeigt starke Gehirnaktivität. Der Schläfer befindet sich in der Rapid-Eye-Movement-Phase (REM). Während des Traumschlafes arbeitet unser Gehirn auf Hochtouren – vergleichbar mit der Hirnleistung eines Konzertpianisten. Schlafforscher Robert Stickgold: „Im Schlaf findet ein Gedächtnistraining statt. Am Vortag Gelerntes wird ins Gedächtnis graviert.“ Wenn es dabei gelingt, in der Tiefschlafphase (rechtes Bild) zu gelangen, muss mit erheblichen Störungen seiner geistigen Fähigkeiten rechnen. Studien zeigen: Jugendliche. Die oft nach 23 Uhr Actionfilme gucken, können Gelerntes kaum abspeichern, sind vergesslich.
DER DIRIGENT DES SCHLAF-RHYTHMUS
Über Schlaf- und Wachphasen entscheidet ein reiskorngroßes Areal im Zwischenhirn (weißer Kreis), genannt Suprachiasmatischer Nukleus (SCN). Pünktlich zum Sonnenuntergang dirigiert er Gehirn und Körper, sich in den Schlafmodus zu begeben.
Spannende Fakten über den Schlaf
www.uni-marburg.de/sleep/dgsm
Psi