Dokumentation von Tilman Achtnich
Propheten
und
Moneten
Heute zeigt das Fernsehen im 3sat-Programm die Reportage und Dokumentation „
Propheten und Moneten“. Untersucht wurde u.a. der Wetter-, Aktien- und Gesundheitsmarkt. Ich beschränke mich hier auf die Wiedergabe eines Tests über den Aktienmarkt und einen psychologischen Kommentar. Die interessante Dokumentation ist einzusehen über ARD-Mediathek
http://193.110.69.12...content/3310728
Darin meint Der weltbekannte
Psychologe Prof. Gerd Gigerenzer (Max Planck Institut, Berlin):
„Wir haben weltweit eine Prognose-Industrie, die etwa 200 Milliarden € im Jahr kostet und die zum großen Teil zu Vorhersagen führt, die an Wahrsagerei grenzen. Wir müssen lernen zu unterscheiden, welche Prognosen wirklich vorhersagen und welche anderen nutzlos sind. Das heißt, die nur für diejenigen einen Nutzen haben, die nur daran verdienen.“
Sprecher: In der Wirtschaft verdienen 100.000de an Beratern weltweit ihr Geld mit Prognosen, z. B. am Aktienmarkt.
Walter Krämer, Professor für Statistik an der Uni Dortmund, hat viele Vorhersagungen untersucht.
„Prognosen haben leider den großen Fehler, dass sie vor allem dann besonders gut funktionieren, wenn man sie nicht braucht. Das heißt, die normalen ruhigen Zeiten, wenn alles seinen gewohnten Gang nimmt, kann man die Zukunft relativ gut vorhersagen. In Zeiten großer Umwälzungen wird das so viel schwerer. Aber da bräuchte man sie ja.“
Sprecher: Trotzdem will er testen, was
Börsenprognosen wert sind.
Walter Krämer sagt zu seinen Studenten: „Wir machen folgendes, wir werfen jetzt mit Pfeilen auf den Kurs-Zettel der Frankfurter Börse und versucht mal auf diese Art und Weise zufällig ein Portfolio zu konstruieren in der Hoffnung, dass wir damit die Börsen-Profis schlagen. Das machen wir jetzt und gucken, ob was zum Schluss rauskommt. An die Arbeit.“
Sprecher: Professor Krämers Studenten erwerfen sich je 10 Aktien aus dem Dax. Ohne Kalkül. Jeder Treffer reiner Zufall. In jeder Aktie werden 1.000 € investiert. Wie wird sich ihr Kurs entwickeln?
Die Studenten treten an gegen einen Aktien-Fond von Profis, zusammengestellt auf der Basis ausgefeilter Rechenmodelle und höchster Sachkenntnis. Von Profis eben. Der Professor gibt den Prognosen wenig Chancen.
Krämer: „
Auf Aktienmärkten sind sie nicht viel Wert, weil in einem effizienten Aktienmarkt die aktuellen Kurse alle künftigen Infos bereits beinhalten, dass heißt sie können sich ändern, wenn was passiert, was man jetzt noch nicht weiß. Auch die Profis wissen das noch nicht. Insofern sind Änderungen rein zufällig und deswegen kann uns der Zufall hier helfen.“
Frage aus dem O-Ton: Warum glauben 100.000de dann an Profis?
Krämer: „Haben schon die alten Griechen gewusst „Die Welt will betrogen sein!“
Sprecher: Abwarten, Herr Professor, zusammengezählt wird erst zum Schluss! Genauer: 5 Monate später.
Zufall gegen Berechnung, Wurfpfeil gegen Experten. Wer gewinnt?
Was wird der Zufall gegen die Experten-Prognose ausrichten?
Manchmal helfen nicht noch mehr Zahlen, Daten, Fakten, sondern weniger.
Krämer: „
Wir ertrinken in der Tat in einem Meer von Informationen, von Fakten, von Statistiken. Ich glaube, so viele Daten und Fakten, wie ein normaler Zeitungsleser heute an einem Tag vorgesetzt bekommt, hat Goethe in seinem ganzen Leben nicht gesehen. Und das bringt auch Gefahren mit sich, in der Tat, einfach, dass wir das Wichtige nicht mehr vom Unwichtigen unterscheiden lernen. “
(weiter geht’s im Film mit dem Arzt)
Psi