
Reisebericht
Die Straße verlief schon nach einer kurzen Strecke unter mir,
während der Fußweg anstieg, bis er schließlich zehn, fünfzehn Meter über der Fahrbahn lag.
Flutlichtlampen an hohen Masten leuchteten nicht nur den Weg aus, sondern auch die Umgebung.
Vom Energiesparen hielten sie am Tegernsee wohl nicht viel,
denn alles zeichnete sich auch in einiger Entfernung deutlich ab.
Um mich herum befanden sich stattliche Häuser hinter dichten, regentropfenglitzernden Hecken.
Alles war umsäumt von Grasflächen, deren sattes Grün nach dem tagelangen Regen erfrischend wirkte
und trotz des Wetters war das Laufen hier angenehm.
Frisch geteerter, ebener Asphalt liess keine Pfütze zu oder Matsch,
der meinen weissen Lackschuhen hätte zusetzen können.
Unten fuhr mal ein Auto die Straße entlang.
Anhand der Rücklichter konnte ich die vor mir liegende Strecke abschätzen,
die der Wagen sich durch die Landschaft schlängelte, bis die Lichter im Dunst verblassten.
Nach einer Weile ging es wieder bergab und ich befand mich auf der Höhe der Straße.
Eine Bushaltestelle hatte ich bereits passiert und mich informieren können,
dass mehrere Buslinien auf dieser Straße den Ort verliessen.
Der letzte Bus musste vor Mitternacht gefahren sein.
Anscheinend gibt es in dieser Gegend zu wenig Bedarf um Nachtlinien einzusetzen.
Vor mir sah ich die Steinquader einer Brücke -wohl einer Eisenbahnüberführung-
und da war auch die zweite Bushaltestelle!
Der Fahrer des Bahnbusses hatte von drei oder vier Haltestellen gesprochen.
Ein Viertel des Wegs oder vielleicht sogar schon die Hälfte hatte ich also schon bewältigt.
Und es hörte auf zu regnen.
Guter Dinge begab ich mich zu dem Bushalteschild.
Ich betrachtete die angebrachten Fahrpläne, um mich zu orientieren.
Aber hier war kein holzgezimmertes Wartehäuschen, wie bei der ersten Haltestelle.
Die Fahrpläne waren hinter der nassen Transparentfolie nicht zu erkennen.
Das Feuerzeug erwies mir keinen Dienst, da es hier ungeschützt dem Wind ausgeliefert war
und sowieso nur noch wenig Gas eine müde Flamme hervorbrachte, die im Wind sofort wieder erlosch.
So blieben mir die Inhalte des Fahrplans verborgen.
Sehr viel anderes, als an der ersten Haltestelle hätten sie mir wohl eh' nicht vermitteln können.
Das Ganze war nun etwas knifflig, denn hinter der Brücke gab es zwei Straßen.
Die eine, die weiter geradeaus führte und eine zweite, die nach rechts abbog.
Welche der Linien auf welcher Straße weiterfuhr war die Frage.
In Erinnerung an die Tatsache, dass auf der von mir einige Tage vorher studierten Landkarte (siehe oben)
Bad Wiessee direkt am Tegernsee lag, konnte es nur die Straße geradeaus sein.
Die andere führte dementsprechend nach Bad Tölz.
Aber der befestigte Fußweg ging auf der Gabelung nach rechts weiter.
Ich lief einige Meter zurück, wo ein Hinweisschild für den Autoverkehr angebracht war.
Aber es war stockdunkel und die Brücke leistete übriges, um den Text auf dem Schild unkenntlich zu machen.
So wartete ich eine Weile auf ein Fahrzeug, durch dessen Scheinwerfer das Schild reflektieren würde.
Vielleicht fuhr der Fahrer ja nach Bad Wiessee und ich hätte ihn anhalten können, um mich mitzunehmen.
Meiner Kleidung zur Folge konnte man sicher davon ausgehen,
dass es sich bei mir nicht um einen Wegelagerer handelt, der Autofahrer ausrauben und umbringen will
Also würde ziemlich sicher jemand anhalten,
wenn ich ihm im Regen hier draußen anzeige, mitgenommen werden zu wollen.
So drehte mir unter der Brücke eine Zigarette... ...
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