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527 Antworten in diesem Thema

#196 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Die Straße verlief schon nach einer kurzen Strecke unter mir,
während der Fußweg anstieg, bis er schließlich zehn, fünfzehn Meter über der Fahrbahn lag.

Flutlichtlampen an hohen Masten leuchteten nicht nur den Weg aus, sondern auch die Umgebung.
Vom Energiesparen hielten sie am Tegernsee wohl nicht viel,
denn alles zeichnete sich auch in einiger Entfernung deutlich ab.
Um mich herum befanden sich stattliche Häuser hinter dichten, regentropfenglitzernden Hecken.
Alles war umsäumt von Grasflächen, deren sattes Grün nach dem tagelangen Regen erfrischend wirkte
und trotz des Wetters war das Laufen hier angenehm.
Frisch geteerter, ebener Asphalt liess keine Pfütze zu oder Matsch,
der meinen weissen Lackschuhen hätte zusetzen können.
Unten fuhr mal ein Auto die Straße entlang.
Anhand der Rücklichter konnte ich die vor mir liegende Strecke abschätzen,
die der Wagen sich durch die Landschaft schlängelte, bis die Lichter im Dunst verblassten.



Nach einer Weile ging es wieder bergab und ich befand mich auf der Höhe der Straße.
Eine Bushaltestelle hatte ich bereits passiert und mich informieren können,
dass mehrere Buslinien auf dieser Straße den Ort verliessen.
Der letzte Bus musste vor Mitternacht gefahren sein.
Anscheinend gibt es in dieser Gegend zu wenig Bedarf um Nachtlinien einzusetzen.
Vor mir sah ich die Steinquader einer Brücke -wohl einer Eisenbahnüberführung-
und da war auch die zweite Bushaltestelle!
Der Fahrer des Bahnbusses hatte von drei oder vier Haltestellen gesprochen.
Ein Viertel des Wegs oder vielleicht sogar schon die Hälfte hatte ich also schon bewältigt.
Und es hörte auf zu regnen.


Guter Dinge begab ich mich zu dem Bushalteschild.
Ich betrachtete die angebrachten Fahrpläne, um mich zu orientieren.
Aber hier war kein holzgezimmertes Wartehäuschen, wie bei der ersten Haltestelle.
Die Fahrpläne waren hinter der nassen Transparentfolie nicht zu erkennen.
Das Feuerzeug erwies mir keinen Dienst, da es hier ungeschützt dem Wind ausgeliefert war
und sowieso nur noch wenig Gas eine müde Flamme hervorbrachte, die im Wind sofort wieder erlosch.
So blieben mir die Inhalte des Fahrplans verborgen.
Sehr viel anderes, als an der ersten Haltestelle hätten sie mir wohl eh' nicht vermitteln können.


Das Ganze war nun etwas knifflig, denn hinter der Brücke gab es zwei Straßen.
Die eine, die weiter geradeaus führte und eine zweite, die nach rechts abbog.
Welche der Linien auf welcher Straße weiterfuhr war die Frage.
In Erinnerung an die Tatsache, dass auf der von mir einige Tage vorher studierten Landkarte (siehe oben)
Bad Wiessee direkt am Tegernsee lag, konnte es nur die Straße geradeaus sein.
Die andere führte dementsprechend nach Bad Tölz.
Aber der befestigte Fußweg ging auf der Gabelung nach rechts weiter.
Ich lief einige Meter zurück, wo ein Hinweisschild für den Autoverkehr angebracht war.
Aber es war stockdunkel und die Brücke leistete übriges, um den Text auf dem Schild unkenntlich zu machen.

So wartete ich eine Weile auf ein Fahrzeug, durch dessen Scheinwerfer das Schild reflektieren würde.

Vielleicht fuhr der Fahrer ja nach Bad Wiessee und ich hätte ihn anhalten können, um mich mitzunehmen.
Meiner Kleidung zur Folge konnte man sicher davon ausgehen,
dass es sich bei mir nicht um einen Wegelagerer handelt, der Autofahrer ausrauben und umbringen will :smile:
Also würde ziemlich sicher jemand anhalten,
wenn ich ihm im Regen hier draußen anzeige, mitgenommen werden zu wollen.


So drehte mir unter der Brücke eine Zigarette... ...




.

#197 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Ich drehte mir auch noch eine zweite und als ich sie aufgeraucht hatte und auf das Handy schaute
stellte ich fest, dass es bereits Viertel vor 2 Uhr war.


Wenn ich hier noch mehr Zeit verbringen wollte, um auf ein Auto zu warten,
dass dann vielleicht noch nicht einmal anhielt, musste ich eine Entscheidung treffen.
Ansonsten wäre ich die Strecke bis nach Bayern gefahren,
um zwei Kilometer vor Bad Wiessee nach Mitternacht unter einer Brücke Zigaretten zu rauchen :smile:

So entschloss ich ich für die Straßenführung geradeaus, von der ich vermutete,
dass sie um das Stück See herumführen würde bis zum Casino.


Die Straße führte in einen dichten Wald hinein.
Plötzlich wurde es weit hinten hell.
Die Scheinwerfer eines Wagens!
Aus dem Nichts tauchte er auf, nur erkennbar an seinen Frontlichtern.
Und auch die die lichkegel der Scheinwerfer sah ich erst, als er um eine Kurve bog, die sich da befinden musste.
Also musste es sich um eine sehr dichte bewaldung handeln.
Mir wurde klar, dass ich da hinten nach einigen hundert Metern garnichts mehr sehen würde.


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Originalaufnahme der Landstraße am Waldstück zwischen Gmund und Wiessee nach 1°° Uhr
Kamera nach oben in die Baumwipfel gerichtet



Die Bäume hatten den Blick nach oben verschlossen,
indem sie von rechts und links der Straße ineinandergewachsen waren
und eine Art Tunnel gebildet hatten, durch den die Fahrbahndecke hindurchfürhrte.
Selbst das Schwarzblau des wolkenverhangenen Himmels ,
vor dem sich vorher die Silhouetten der Bäume und entfernte Dachfirste abgezeichnet hatten,
schimmerte nirgends durch die Äste des Walds hindurch.
Außerdem lag überall nasses Laub herum, durch dass ich stapfte.
Beleuchtung gab es hier keine mehr.


Der Wagen blendete mich mit seinen Halogenlichtern und raste an mir vorbei.
Mir wurde auch klar, dass es nicht ungefährlich war, hier bei totaler Dunkelheit entlangzulaufen.
Abgesehen davon, dass vorbeifahrende Fahrzeuge für meinen Anzug nicht förderlich waren.
Schon der erste Wagen bescherte mir das Nass der Fahrbahn.


Daher ging ich wieder zurück in Richtung der Brücke,
als ich die Fortsetzung des Fußwegs erkannte... ...




.

#198 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Ich konnte kaum glauben die schmale Strasse am Eingang des Walds nicht gesehen zu haben.

Aber bei meinem ersten Vorlaufen an die Gabelung hatte ich mich auf die beiden Hauptverkehrswege konzentriert.
Den nach rechts und den geradeaus.
Und nachdem ich wieder zurückgelaufen war und auf ein Fahrzeug wartete, dass mich vielleicht mitgenommen hätte,
stand ich neben der Mauerbefestigung der Brücke in einem Winkel,
der mir den Blick auf die weitere Abzweigung versperrte.

Und als ich schliesslich losging, hatte ich nur direkt neben der Straße nach einem Gehweg gesucht.
nicht zehn, zwanzig Meter davon entfernt, obwohl das eigentlich nahe gelegen gewesen wäre,
da sich der Gehweg vor einer halben Stunde ja auch nicht direkt an der Straße befunden hatte.

Parallel zur Landstraße nach Wiessee verlief wieder ein asphaltierter Weg;
diesmal etwas breiter, sodass zur Not auch Kraftfahrzeuge hätten darauf fahren können.
So begab ich mich auf diesen Weg und musste jetzt zwar auch das Waldstück,
was mir mangels entgegenkommender Autos allerdings weit gefahrloser erschien.
Nach fünf Minuten Fußmarsch -wieder ging es recht steil bergauf und die Landstraße musste weit unter mir liegen-
dünnten sich die Bäume aus und wichen schliesslich ähnlichen Hecken, die auch zuvor den Gehweg gesäumt hatten.
Schliesslich machten sich ausgedehnte Wiesenflächen rechts von mir breit,
die schon eher auf den Ortsnamen "...Wies See... schliessen liessen und ich war überzeugt,
dass dies der Fußweg dorthin sei.


Wie hätte es auch anders sein können?
Auch Spaziergänger und Wanderer mussten nach Wiessee kommen
und schliesslich musste es ja irgendeinen Weg auch für die Touristen dorthin geben.

Inzwischen hatte es wieder zu regnen begonnen, diesmal etwas heftiger, und ich spannte meinen Schirm auf.
Links von mir ertönten unbekannte Klänge.
Ich gewahrte die Umrisse von einer Herde Kühe, denen Glocken um den Hals baumelten.
Sie glotzten mich mit ihren großen Augen an und ich möchte nicht wissen, was sie sich dachten,
dass da mitten in der Nacht jemand im weißen Anzug in Lackschuhen bei strömendem Regen entlangmarschierte :)
Jedenfalls werde ich diesen Moment nicht vergessen.
Auch nicht das Klingen der Glocken, das noch eine Weile über die Weide hinter mir her hallte.


Und dann kam ich endlich an eine Wegkreuzung, an der ein Schild stand. Bad Wiessee, 2,4 km.
Aber da waren noch mehrere.
Bad Wiessee-Holz und Bad Wiesssee
und Bad Wiessee über Jägerwald und Bad Wiessee via Finsterwald und noch einige mehr.
Zu allem Unglück stand der Holzpflock, an dem die Schilder befestigt waren, schräg.
Die Regenfälle vergangener Tage und Wochen schienen ihn aus dem Boden geschwemmt zu haben
und die Richtung, in die die Holzzeiger wiesen, auf denen in weißer Schrift das Ziel geschrieben stand,
waren nicht aus zu machen.

Es waren einige Wege, die nun möglich waren. Sicher führten die meisten nach Wiessee.
Aber in welchen Ortsteil?




Vor mir zeichnete sich eine Erhellung des Himmels ab.
Waren das die Nachtbeleuchtung von Bad Wiessee und die Lichter der Spielbank, die am Firmament reflektiert wurden?
Ich entschied mich für den Weg, der meiner Meinung nach am ehesten in Richtung Landstraße führte
und zu der Erhellung am Himmel, die Hoffnung in mir weckte.
Und mit beschleunigtem Schritt lief ich die ausgewählte Richtung entlang der Wiesen.

Nach einiger Zeit war der Wegasphalt von Grasnarben überwachsen, die schliesslich kniehoch wucherten.
Zungenartig fraßen sie sich vor meine Füße, sodass ich durch das Ausweichen nur langsam voran kam.
Und kurz darauf bestand alles nur noch aus Grasbüscheln, zwischen denen knöcheltiefe Pfützen standen.
Ich tappte in die erste hinein. Der Morast schmatzte, als ich den Schuh herauszog.
Der weiße Lackschuh war nun anthrazit oder dunkelbraun; so genau konnte ich das im Dunkeln nicht ausmachen.
Aber die Hose für den Casinobesuch war trocken geblieben.
Ich ging ein wenig querfeldein in die Wiese. Nach hundert Metern war der schuh wieder glänzend weiß.
Da sieht man, was ein Guccilackschuh alles aushalten kann.
Wäre das nicht eine gute Werbung für den Hersteller?

Die Schuhe waren wieder sauber. Ansonsten hätte ich den Weg zur Spielbank nicht fortzusetzen brauchen.
Blöd nur, dass ich den Weg jetzt nicht mehr wiederfand, auf dem ich in den Matsch getreten war.
Egal. Im Grunde war es ja garkein Weg mehr gewesen und ich befand mich mitten auf der Alm.
Kühe gab's hier keine.
Entfernt sah ich etwas Dunkles. Wohl die Umrisse eines Gebäudes.
Wo es ein Gebäude gab, da war auch ein Gehweg oder eine Fahrbahn.
Durch das nasse Gras stolperte ich darauf zu. Und richtig! Hurrah! :smile: Ich konnte Asphalt erkennen,





als mich von der Seite jemand festhielt... ...



.

#199 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht





Erschrocken wirbelte ich herum.
Ein fataler Fehler.








Denn da war niemand.

Stattdessen gab es einen lauten "...Ratsch..."
Ich sah an meinem Sakko hinunter.
Der Rockschoß hatte sich in einem Stück Stacheldraht verfangen,
das sich als oberes Stück eines Knäuels in einer hüfthohen Schlinge über den Sptitzen der Grashalme befand.
Seit der Einzäunung der Weide war es wohl liegengeblieben und vergessen worden.



Der Lagerfeldschnitt des Jacketts hatte sich hierdurch leicht verändert.
Vorsichtig löste ich das rostige Metall aus dem Stoff.
So schnell kann ein Designeranzug zum Putzlappen werden.
Aber ich habe die Erfahrung gemacht,
dass die Baumwolle der teueren Anzüge sich am besten für die Reinigung von Glasscheiben eignet.


Das Gebäude, das ich nun erreichte, war ein großer Schuppen.
Eine weiß emailierte Wanne stand da, wobei ich mir nicht vorstellen kann, wofür sie zum Einsatz kam.
In dem Schuppen hatte man Strohballen in Form von Rädern bis unter das hohe Dach gelagert.


Ich wollte mir eine Zigarette drehen.
Das Zigarettenpapier, das ich aus meiner Tasche zog, war zum Auswringen nass.
In meinem Tabakpäckchen hatte ich noch eine fertig Gedrehte, die ich unter der Brücke hatte rauchen wollen.
Vorsichtig packte ich sie aus und angelte nach dem Feuerzeug.
Aber das funktionierte irgendwie nicht mehr. Die Mechanik war beim Zündeln im Dunkeln zu heiß geworden.
Als ich wütend an dem kleinen Rad schnippte, sprang der obere Teil des Feuerzeugs ab und rollte in's Stroh.
Ich warf die verbeulte Zigarette hinterher und überlegte, was ich machen sollte.

Aus dem Handy tropfte Wasser, aber das Display war intakt.
Jetzt war es 2.10 Uhr.
Bad Wiessee lag direkt hinter dem Wald. Soviel war klar. Entfernung Luftlinie ein Kilometer.
Also musste ich nur durch diesen Wald und war am Casino.




Und der Weg vom Gebäude führte direkt in den Wald hinein.




.

#200 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Einladend war die Waldsilhouette nicht.



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Der Weg machte auch nicht gerade den Eindruck einer frequentierten Touristenmeile.
Aber da ich keinen anderen Weg zur Auswahl hatte, blieb mir nichts anderes übrig.
Ich musste durch diesen Wald, egal von welcher Seite ich die Situation beleuchtete.
Jeder Gang nach Wiessee -auch wenn ich wieder nach Gmund zurückgegangen wäre- führt durch Wälder.
Und nachts um 2 waren die eben dunkel.


Eine Weile klappte das ganz gut, sich an der Asphaltierung zu orientieren.

Ich tappte durch das Dunkel indem ich mit den Ledersohlen an der Oberfläche entlangschlurfte
und bei Verlust des Kontakts zur glatten Asphaltoberfläche unter dem einen oder unter dem anderen Schuh
korrigierte ich die Richtung.
Da die Abstände,
zwischen denen ich mal unter dem einen, dann unter dem anderen Schuh weichen Waldboden verspürte, kürzer wurden,
muss das ein ziemlicher Zickzackkurs gewesen sein, in dem ich den Weg entlang lief.
Mit der Zeit wurde ich immer sicherer.




Ich kenne das seit meinem Gehörsturz, dass man sich auch ohne den Informationen eines Sinnesorgans, sicher bewegen kann.
Es ist alles eine Sache der Gewöhnung und der Einschätzung anderer Faktoren.
Ich konnte nach wenigen Minuten bereits in etwa voraussagen, wann unter welchem Schuh weiche Erde begann
und kam ich im Verlauf des Fortkommens immer schneller voran.


Vielleicht können sich das einige nicht vorstellen, wie es ist, wenn man nichts sieht. Absolut nichts!
Und man befindet sich in einer fremden Umgebung. In einem Umfeld, in dem man sich zuvor nicht bewegt hat.

Einige werden geschmunzelt haben, als sie die weiter oben stehende Fotografie von mir betrachteten.
Man hätte ja auch genauso "...Barcelona bei Nacht..." darunterschreiben können.
Wenn man sich das tagsüber auf den Monitor holt, sieht man nur schwarz.

Aber betrachtet es mal spät abends und schaltet die Zimmerbeleuchtung aus!
Es darf kein Licht auf den Monitor fallen.

Dann sieht man im oberen Bereich die feine Zieselierung der Äste. Und den Nachthimmel dazwischen.
Und genauso ist es in jener Nacht gewesen, als ich da durch diesen Wald irrte.
Normalerweise erkennt man ja wenigstens schemenhaft die Umrisse heller Gegenstände.
Aber es ist schon erstaunlich, dass ich nicht mal das Weiß meiner Anzugärmel gewahr werden konnte!
Die Fotos spiegeln dann genau die Atmosphäre wider, die mich in dieser Nacht umgab.



Inzwischen hatte ich schon den halben Wald durchquert und wähnte mich kurz vor dem Ziel meiner Odyssee.
Es musste zu jenem Zeitpunkt schon 2.20 Uhr gewesen sein.

Ich fühlte mich zunehmend sicherer,
indem ich im Laufschritt auf dem Weg von links nach rechts und von rechts nach links lief,



bis ich mit voller Wucht vor einen Baum rannte... ...





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#201 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Die Sternchen, die man sprichwörtlich bei solchen Kollisionen sieht,
wurden mir im Dunkeln tatsächlich gewahr.
Vielmehr brauchte ich eine Minute,
um mich von dem "...Schlag in's Gesicht..." zu erholen.
Es war wohl ein tiefer gewachsener Ast in Stirnhöhe gewesen, in den ich hineingerannt war.

Eine Weile war ich benommen gewesen, bis ich mich wieder auf den Weg machte.
Aber wo war der Weg? In welcher Richtung?
Unter den Schuhsohlen war es nur noch weich. Waldboden! Nichts als Laub und kleines Geäst.

Ich überlegte kurz, wie ich am besten vorgehen sollte.
Wenn ich jetzt in irgendeine Richtung lief, würde ich mich unwiderbringlich verlaufen.
Hier gab es nichts, woran man sich orientieren konnte; ganz einfach weil man nichts erkennen konnte.
Das sinnvollste erschien mir, langsam im Kreis zu laufen und die Kreise immer weiter auszudehnen.
Dann müsste ich zwangsweise nach geraumer Zeit wieder auf die Asphaltfläche stoßen.
Ich lief also ein Stück und hielt mich danach links.
Aber da ging es nicht weiter. Die Stämme Baumgruppe versperrten mir den Weg.
Um die musste ich zuerst herum. Doch ein wenig später war es ein Gebüsch.
Beim Umgehen des Gebüschs stieß ich auf einen umgestürzten Baum.

Es machte nicht viel Sinn, über den hinüberzuklettern, weil der Weg, von dem ich abgekommen war,
zumindest in dieser Richtung nicht sein konnte.
Also tastete ich mich wieder im Dunkeln zu der Baumgruppe zurück.




Doch die fand ich bereits nicht mehr... ...





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#202 Nachtfalke

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Wenn nun jemand meint, ich hätte ja ein Handy bei mir gehabt, sodass letzten Endes nichts passieren konnte,
sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass es sich um ein Homezonegerät handelt.
Mit ihm kann ich in Berlin am Verlagssitz unter meiner Festnetznummer erreicht werden.
Wenn ich außer Haus bin,
kann ich im weiteren Umkreis des Stadtviertels, in dem der Festnetzanschluss registriert ist,
über meinen Festnetzanschluss mobil mit dem in ihm enthaltenen Chip kommunizieren.
Aber hier im Tegernseer Waldgebiet war dieses Gerät für die Kommunikation nutzlos.
Das Kommunikationshandy lag in meiner Tasche am Taxistand.

In die Casinos hingegen nehme ich das Handy für die Zeitabnahmen der Casinositzungen mit,
für Meldefunktionen während des Spiels mit einer Datenbank darauf.
Außerdem ist es eine erstklassige Kleinkamera (wofür ich mir das Gerät eigentlich zugelegt habe).

Weiteres Laufen durch den Wald konnte ich mir sparen, weil ich ja garnicht gewusst hätte, wohin ich lief.
Ich hole also mein Handy und informierte mich, dass die Spielbank Wiessee in einer Viertelstunde schliessen würde als ich hinter mir ein Geräusch hörte.
Irgendetwas oder irgendjemand quer lief durch den Wald!

Es raschelte links von mir und rechts von mir und wenig später von allen Seiten.
Ein lautes Grunzen signalisierte mir, um was es sich handelte.
Wildschweine.
Ein ganzes Rudel davon


Es kann mir vielleicht mal jemand erklären, warum Wildschweine im Dunkeln,
wo ich die Hand nicht vor Augen sehen kann, spazieren gehen?
Und wenn ich mich alle Jubeljahre mal in einem Waldgebiet befinde,
warum sind die genau zu dem Zeitpunkt gerade da, wo ich bin?





In diesem Moment fängt in meiner Sakkotasche das Handy an zu dudeln... ...






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#203 Nachtfalke

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Ich weiss nur, das Schweine intelligent sein sollen.
Ob sie musikalisch sind ist mir nicht bekannt.





Der Schreck fuhr mir jedenfalls durch die Glieder.
Man kann sich nicht vorstellen, wie in der Dunkelheit bei völliger ein Handy klingt.
Und wie würden die borstigen Viecher darauf reagieren?


Das dröhnte durch den Wald wie Discosound - jedenfalls kam es mir so vor!
Da ich auf dem rechten Ohr nichts höre, habe ich die Melodie im Handyweckruf auf voller Lautstärke laufen.
Wie im Casino brauche ich mit der Hand nur in die Seitentasche zu fahren und auf den Knopf zu drücken.
Das ist ein schneller routinierter Vorgang, bei dem die Casinobediensteten nicht mal mitbekommen,
von woher die Musik stammt, die da am Roulettetisch ertönt.

Ich drücke den Knopf und es ist wieder still im Wald. Nur die Wildschweine grunzen laut.
Eins streift mein Bein und drückt mich beiseite, als wäre ich garnicht vorhanden.
Plötzlich lautes Getrampel und ich werde gewahr, dass die Horde sich entfernt.
Wahrscheinlich ziehen sie ziellos durch die Wälder und haben nur meinen Weg gekreuzt.
Die Musik war ihnen wohl nicht geheuer.


Ich bleibe noch eine Weile still am Ort der Begegnung.
Was ist, wenn eins von ihnen zurückgeblieben ist?
Aber es bleibt alles still.
Ich höre noch das Grunzen in weiter Ferne und dann ist alles wieder wie vorher.


Das Handy war übrigens auf 2.50 Uhr gestellt;
Zeitzeichen für die vorgesehene Partie in Wiessee, dass der Tisch in spätestens zehn Minuten schliesst.





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#204 Nachtfalke

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Von dem Waldgebiet habe ich mit der Kamera eine Aufnahme gemacht.
Damit ihr euch das vorstellen könnt.
Damit nicht wieder alles nur schwarz ist, habe ich es bearbeitet, damit man etwas erkennen kann.

So sah es in dem Wald aus:



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Originalaufnahme des Waldstücks zwischen Gmund und Wiessee um 3°° Uhr
Kamera in den Wald gerichtet, wo zuvor um mich herum das Wildschweinrudel war.



Für Fotofreaks:
Samsung Handy SGH800N mit Nachtfilter und dreifachem optischem Zoom.
Digitale Erfassung des Umfelds mit Ingfrarot ohne Blitzlicht bei fotografische Nachbearbeitung
mit
"Digital Darkroom" und "Photoshop CS"
Ausfilterung mit "Canvas"





Um welchen Wald es sich dabei handelt, ist mir bis jetzt nicht bekannt.

Das kann ich mit Nostradamus erforschen, wenn ich in Bayern die Casinos aufsuchen werde.
Ich schätze es war der Finsterwald - so finster, wie der war :smile: kann es kaum anders sein.
Aber Jägerwald würde natürlich auch passen, wenn da die Wildschweine auf Tour sind.




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#205 Nachtfalke

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:20

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Reisebericht


Eine Stunde später wurde es heller.
Zumindest war es nicht mehr stockdunkel und ich fand zu dem Weg zurück.

Ich war übrigens bei der Wildschweinbegegnung nur zwanzig Meter von dem Asphalt entfernt,
den ich wiederzufinden suchte. Aber bei völliger Schwärze um mich herum war das nicht auszumachen.
Zudem befand ich mich so ziemlich in er Mitte des Walds.
Denn der Weg führte tatsächlich wieder auf die Landstraße zwischen Bad Wiessee und Gmund.
Allerdings hatte ich mich in der Entfernung vertan.

Es wäre noch eine gute Viertelstunde Wegstrecke nach Bad Wiessee gewesen
und zum Casino dann nochmal zehn Minuten.

Darüber klärte man mich früh an der Bahnstation Gmund auf.



Die Fahrgäste im Intercityexpresswaren auf der Rückfahrt von meiner Anwesenheit nicht sehr begeistert.
Dem rechten Hosenbein entströmte Wildschweingeruch :smile:

Ich erzählte darauf hin einigen, ich käme von der "Jagd".
Aber geglaubt hat mir das nächtliche Abenteuer in meiner weißen Kluft kein Mensch.
Sicher bin ich der erste "Tourist" gewesen, der von Norddeutschland aus an den Tegernee gereist ist,
um nachts nur einen Almspaziergang im Regen zu machen und dann wieder zurückzureisen.

Wenigstens setzte sich niemand auf den Platz neben mir und so konnte ich auf der Fahrt in Ruhe schlafen.


Geträumt habe ich von Wildschweinen.





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#206 Nachtfalke

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Geschrieben 08 September 2010 - 14:22

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Die Bahnstation Gmund, aus der Zugperspektive bei der Abfahrt.



[indent][indent]Eingefügtes Bild
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... ...mit dem Sakko -oder einem Teil davon- habe ich gestern die Fenster geputzt.
Vielleicht übersteht die Hose einen Kochvorgang in der Waschmaschine :)

Ansonsten habe ich jetzt einen Putzlappenvorrat für ein Jahr in meinem Kasten.




... ...aber die Tour geht ja weiter ;) da wird der Kasten vielleicht noch voll.





:smile:


Euer Nachtfalke.




.

#207 Scooby

    Systemspieler

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Geschrieben 08 September 2010 - 17:27

Hallo Nachtfalke,

na da hast Du ja aber mal so richtig Schwein gehabt, was? ;)

Übrigens sehr schön erzählt. War spannend und zugleich amüsant. Man konnte es sich so richtig vorstellen:
Weisser Mann im weissen Anzug beim Kuhfladenslalom des Nachts in der bayerischen Pampa ;).
Und dann noch das Handygebimmel in illustrer Gesellschaft :) - Göttlich!

Schön, daß Dir nichts Ernsthaftes passiert ist!

Gruß Scooby

#208 brian

    Mitstreiter

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Geschrieben 08 September 2010 - 17:58

ich habe gerade mal testweise die Rollos runtergemacht um mir die Fotos "im Dunkeln" anzusehen.




Mensch. Das sieht ja richtig geil aus!!!

Woher kommt das, dass man die nur im Dunkeln so sieht?




brian

#209 raro

    Tüftler

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Geschrieben 08 September 2010 - 17:59

Unter stressfrei war das sicher nicht
einzuordnen.

Schön, dass Du sonst gut im Rennen liegst.

Gruß raro ;)

#210 Nachtfalke

    Redakteur Roulette

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Geschrieben 08 September 2010 - 18:02

.




;)


Beitrag anzeigenbrian sagte am 8 Sep 2010, 18:58:

Woher kommt das, dass man die nur im Dunkeln so sieht?

Durch die Farbindizierung.
Man kann die Nachtfotografien auch anders filtern. Aber dann ist die optische Wirkung weg.



Nachtfalke.




.





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