Schön, dass sich auch darüber einige mal Gedanken machen.
Ich freue mich natürlich für Deutschland und will, dass die teilnehmenden Länder ihren Spaß haben. Aber die Lebensumstände des Gastgebers verschlechtern sich hierdurch. Schon im Vorfeld der WM generierten sich in Südafrika viele negativen Entwicklungen. Man kann sagen, die Armen der Bevölkerung leiden unter dem Fußballereignis. Und das sind 90 Prozent.
Und was den offiziellen Austragungsball der Weltmeisterschaft anbetrifft ist das ja schon scharf kritisiert worden an der Fifa.
Über eine halbe Millionen dieser Bälle waren ausgeschrieben und die meisten werden in Marokko zusammengeschustert.
Zusammengeschustert ist der richtige Ausdruck. Um der preiswerteste Anbieter zu sein, haben die an der Ausschreibung beteiligten Länder keine Maschinen einkalkuliert, sondern Handarbeit. Nur so hat Marokko sich den Auftrag sichern können. Die von Hilfskräften mit Stahlschablonen handgeschnittenen Lederstücke werden von den morokkanischen Auftraggebern mit weniger als einem Cent pro Teil entlohnt. Das Zusammennähen der einzelnen Stücke zu einem Ball dauert etwa drei Stunden (mit Ledernadel und bloßen Fingern). Für einen falsch genähten Ball werden drei korrekt genähte gegengerechnet (Tagesarbeit) Und fürs Zusammennähen gibt es für einen kompletten Ball in Landeswährung umgerechnet etwa 28 Cent.
Das ist in Landeswährung etwas mehr als ein Dirham. Wer schon mal in Marokko war weiss, wie wenig man dafür bekommt. Ein Kilogramm Mehl kostet 2 Dirham. Dafür näht eine Näherin 5-6 Stunden!
Die Lederstücke werden durch das halbe Land gekarrt bis in die entlegendsten Dörfer. Für den Hin und den Rücktransport zum Auftraggeber gibt es 15 Cent pro Ball.
Ich habe Näherinnen angetroffen, die in ihren Dörfern nach Wochen des Nähens mit verbundenen Händen sitzen und ihre Eiterungen nicht behandelt bekommen, weil da nur einmal in der Woche ein mobiler Sanitäter vorbeikommt. Eine Frau verlor an einer Sepsis ihre Hand. Die Entzündung war zu weit fortgeschritten.
Weil Marokko das Kontingent bis zum WM-Termin nicht erfüllen konnte, wurden andere an der Ausschreibung beteiligte Länder hinzugezogen, wie Pakistan und Kambodscha. Die Näher sind dort selten älter als zwölf oder dreizehn Jahre.
Beim Anpfiff eines Spiels weiss das ja keiner. Oder treffender: das
will keiner wissen.
Fernandel
Bearbeitet von fernandel1284, 29 June 2010 - 11:08.