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sowie für seine Verdienste um die deutsche Automatenwirtschaft wurde Paul Gauselmann 1993 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Und das hier ist die Kehrseite des Bundesverdienstkreuzes.............
Das Leben verzockt
Klinik für Spielsucht
Von Dietrich Mittler
Ihre Familien zerbrechen, sie verlieren den Job. Doch sie halten sich für "Supertypen".
Eine Klinik hilft Spielsüchtigen, den Weg aus dieser Hölle in die Realität zu finden.
Einen Euro in den Schlitz - und los geht es: Wenn vor den Augen die bunten Bilder
vorbeirasen, vergessen Spieler schnell alle Sorgen. (Foto: ddp)
Armin Stocker hat viele Tage und Nächte seines Lebens in der Hölle verbracht. In der
Spielhölle. In einem Wirrwarr aus Gedudel und blinkendem Licht, getrieben vom
Gedanken an das große Glück. Mit einem einzigen Automaten gab er sich nicht
zufrieden, manchmal zockte er an fünf Maschinen gleichzeitig.
Wenn vor seinen Augen die bunten Bilder vorbeirasten und ihm die stampfenden
Rhythmen aus den Lautsprechern den Puls nach oben trieben, vergaß er alles: seine
Sorgen, seinen Hunger, seinen Durst und seine zwei Kinder. "Für Geburtstags- oder
Weihnachtsgeschenke hatte ich kein Geld mehr", sagt er. "Ich habe alles verzockt."
Stocker, 46, ist spielsüchtig. Als er nicht mehr weiterwusste, suchte er im Internet
fieberhaft nach Hilfe. So stieß er auf das "Römerhaus" im Allgäu, Bayerns erste
Fachklinik mit einem stationären Therapieangebot für krankhafte Spieler.
Dort steht er jetzt im weißen Kochkittel an der Essenausgabe, der Küchendienst ist Teil
seiner Arbeitstherapie. "Ich weiß schon lange, dass ich spielsüchtig bin", sagt Stocker.
Vor vier Jahren hatte er erstmals den Ausstieg versucht - mit Hilfe einer ambulanten
Therapie. "Der Therapeut hatte von Spielsucht keine Ahnung. Ich bin quasi aus seiner
Praxis rausgegangen und in den nächsten Spielsalon rein."
Diakon Gotthard Lehner, der Klinikleiter, erkennt krankhafte Spieler sofort. Im
Gegensatz zu Alkoholikern oder Medikamentenabhängigen, die oft apathisch wirken,
sind sie hellwach, agil, neugierig. "Sie wollen wissen, was wir ihnen in der Therapie alles
bieten können. Sie fordern uns", sagt er.
Bis der Computer implodiert Zu Beginn ihres Klinikaufenthalts seien Spielsüchtige noch
auf der Hast nach neuen, aufpeitschenden Erlebnissen - ganz wie sie es aus dem
Spielsalon gewohnt sind. "Ich wollte den permanenten Kick, den nie endenden
Rauschzustand", erinnert sich Stocker an die Tage und Nächte in der Spielhölle. Dieser
Rausch, dieser Höhenflug der Gedanken, hat ihn ganz nach unten geführt, an die
Abgründe seiner selbst.
Wolf-Michael Schreiber, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, ergründet im
Römerhaus gemeinsam mit den Patienten die Ursachen ihrer Sucht - und versucht, sie
herauszuführen aus der Hölle, soweit das irgend geht. "Manche verpfänden ihr Erbe im
voraus, manche klauen dem Bruder die Kreditkarte oder erpressen Freunde, um an
Geld zu kommen", sagt er. Gerade eben hat er mit einem Spieler gesprochen, der eine
halbe Million Euro Schulden hat. Klinikleiter Lehner erinnert sich auch noch gut an den
Lkw-Fahrer, der an Raststätten das Geld verspielte, das ihm sein Chef zum Zahlen der
Maut anvertraut hatte. Am Telefon musste er dem Chef schließlich mitteilen, er habe
kein Geld mehr zum Weiterfahren.
Info: Sueddeutsche
30.10.2009
Gruß Fritzl
Bearbeitet von Fritzl, 01 November 2009 - 03:48.