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-Beitrag-
waldek sagte am 24 Feb 2009, 22:56:
"...Es gibt Dauergewinner und Dauerverlierer und die Folge aller lebenslang gespielten Coups
unterliegt nicht den Gesetzen des Zufalls, weil es keine Permanenz mehr ist..."
Wobei das mit der
"Lebenslangen Permanenz" eine dem
Sachsen ganz eigene Betrachtungsweise ist. Genau genommen ist sie nicht aufrecht zu erhalten, denn wie schon gesagt ist die An- oder Abwesenheit eines Spielers Bestandteil des Zufallsprozesses - zumindest in einem Spielsaal.
Dementsprechend besteht eine Wechselbeziehung der Zufälligkeiten, die aus den Rahmenbedingungen resultieren.
Da sind so einige Sachen des
Sachsen, die ich hier unwidersprochen lassen möchte, weil es sonst zu einer endlosen Diskussion führen würde, die das Thema der Glaubensfrage nur am Rande streift.
Aber eine Sache betrifft nicht den Glauben, sondern das Wissen.
Die möchte ich hier im Thread nicht so ohne weiteres stehen lassen, insbesondere durch meine Funktion bei
Wikipedia:
sachse sagte am 24 Feb 2009, 17:33:
"...Wikipedia:
Die Erfindung des Roulette wird oft dem französischen Mathematiker Blaise Pascal zugeschrieben – dies beruht aber auf einem Missverständnis:
Pascal war zwar einer der Pioniere der Wahrscheinlichkeitsrechnung und verfasste im Jahr 1658 seine Histoire de la roulette und Suite de l'histoire de la roulette,
doch handeln diese Schriften nicht vom Roulette-Spiel, sondern von der in Frankreich auch „Roulette" genannten Zykloide..."
Das ist so leider nicht ganz richtig, Sachse.
Genau genommen: das ist falsch!
Ich war seinerzeit für die
Kategorie Roulette bei
Wikipedia mitverantwortlich und der
Blaise Pascal-Artikel hat hinsichtlich dieser Formulierung einigen Wirbel verursacht.
Der im Jahr 2002 aufgenommene Artikel
Blaise Pascal enthielt seit dem Jahr 2003 die völlig korrekte Formulierung
"...Pascal beschäftigte sich ausserdem auch mit der neu aufkommenden mathematischen Disziplin der Wahrscheinlichkeitsrechnung Ecarté wobei ihm hier auch die Erfindung des Roulette zugesprochen wird..."
Darauffolgend wurde dieser Artikel mit enormem Arbeitsaufwand immer wieder nach
Vandalismus und entstehenden
abweichenden Darstellungen revidiert, wobei Mathematiker und Spieler sich in hunderten von Themen einem regelrechten Glaubenskrieg auslieferten. Sie liefen seinerzeit bei
Wikipedia in der Betreuung unter der
Rubrik "Militante Glücksspielgegner", (ähnlich der Vorgehensweise, hier die Artikel mit
"Geht-nix!" zu zerstören) alles umzuschreiben, was auf etwas Positives hinsichtlich des Spiels um Geld hinweisen könnte, und viele Artikel zu löschen.
Weltweit gibt es bei
Wikipedia über 6.000 Versionen des Begriffs
Blaise Pascal, wobei sich insbesondere französische Mathematiker gegen die Vorstellung wehrten, dass eine honorige Persönlichkeit wie
Blaise Pascale sich mit Kneipen- und Straßenspielen wie
Ecarté im Paris des 17. Jahrhunderts beschäftigt haben könnte. Dies zeugt jedoch von Unkenntnis über die damalige Zeit, in der das Glücksspiel um Geld vornehmlich dem Adel zustand, als vornehm galt, und sich somit nicht in dunklen Ecken, sondern in Etablissements und Flanierorten für die "bessere Gesellschaft" abspielte.
Auch lehnten seine posthumen "Fans" die Tatsache ab, dass
Pascale keine normale Schulbildung hatte und ihm seitens seines Vaters verboten wurde, sich mit Mathematik und Geometrie auch nur zu beschäftigen; ihm wurde sogar das Lehrmaterial bis zu seinem achten Lebensjahr weggenommen und verbrannt, das er sich selbst als Kind besorgt hatte; er beherrschte in diesem Alter noch nicht einmal die Grundrechenarten!
Diese besorgte er sich von der Straße nach seinem Wegzug von
Clermont Puy-de-Dôme, sowie die Geldmittel für seine Ambitionen, die im Bereich
Physik und
Mathematik lagen, indem er
Ecarté (einen Vorläufer des süddeutschen
Ramsch und eine Einzelspielerversion des späteren
Ponte-Spiels, das sich ebenfalls nach seinen Regelbeeinflussungen in Form des heutigen
Baccaras in den Casinos findet) um Geld spielte.
Die mir hier im Archiv vorliegenden Unterlagen -darunter französische Conversationschronologien aus dem 19. Jahrhundert- schreiben dem Wissensdurst des Kinds und diesem Spiel um Geld die Motivation für die enormen mathematischen Fortschritte des pubertierenden (und als Junge so garnicht honorigen)
Pascal zu, der sich eine Schematik erdacht hatte, sich Vorteile im
Ecarté zu verschaffen, indem er die binominale Negativverteilung in Form einer sechsreihigen Zahlenpyramide aufzeichnete, aus deren jedwelcher Addition zweier nebeneinander liegenden Zahlen auf jeder Reihe die Summe dieser beiden Zahlen das Resultat in der Folgereihe ergibt. In der sechsten Reihe ergab die Summe aller so entstehenden Resultate die Gesamtsumme 32, die Anzahl der Spielkarten des
Ecartés. Mit diesen Kenntnissen der Verteilung der Spielkarten gewappnet besiegte er in fast allen
Ecarté-Partien seine Gegner. Da es seinerzeit üblich war
(ähnlich dem heutigen Weitergeben des Backgammonwürfels zur Erhöhung des Spieleinsatzes bei positiver Einschätzung des Spielstands) die Partie chancenmäßig im Spielverlauf zu bewerten und den Einsatz zu tätigen, wurde der kleine Adelsabkömmling, der
immer gewann, in Spielerkreisen in
Paris bekannt.
Erst mit zehn Jahren, als der Vater
Pascals, Etienne Pascal, seine Juristenlaufbahn aufgab und in das Wertpapiergeschäft einstieg, wandelte sich dessen Förderung seines Sohns in Richtung der Naturwissenschaften, insbesondere der Mathematik, insbesondere, da er mit Aufnahme anderer Tätigkeitsschwerpunkte immer mehr mit Zahlenmaterial zu tun hatte. Der Hauslehrer machte ihn darauf aufmerksam, dass
Blaise im Alter von elf Jahren ohne jegliche Kenntnisvermittlung nachts bei Kerzenlicht sich die euklidische Geometrie angeeignet (=praktisch aus sich selbst heraus entwickelt) habe und bereits an bis dahin noch nicht bekannten Konstruktionen planimetrisch forsche, die er, der Hauslehrer, noch in keinem fakultätischen Studiengang gesehen habe. Nach nur zwei Jahren Intensivschulung hat
Pascal bereits die Kenntnis der gesamten bis dahin bekannten Algebra, mit vierzehn erlangt er Bekanntheit in der Fachwelt durch seine "Visions Géométriques", mit sechzehn stellt er die ersten noch heute gültigen Lehrsätze auf.
Dagegen mutet die heutige, veränderte
Wikipedia-Version der Jugendzeitbiografie
Pascals, entlehnt einer verklärten Darstellung der französischen Ausgabe der Enzyklopädie, wie ein Hohn auf die Tatsachen. Da heißt es:
"...Er wurde deshalb von seinem hochgebildeten und naturkundlich interessierten Vater selbst sowie von Hauslehrern unterrichtet. Bereits mit zwölf erwies er sein hervorragendes mathematisches Talent und fand dann über seinen Vater, der in Pariser Gelehrten- und Literatenzirkeln verkehrte, Anschluss an den Kreis von Mathematikern und Naturforschern um den Père Mersenne, wo er als 16-Jähriger mit einer Arbeit über Kegelschnitte beeindruckte..."
Eine andere Ausgabe von Wikipedia kommt der Wahrheit schon näher:
"...Pascals Vater schickte ihn nicht in die Schule, sondern ließ ihn zuhause von seiner älteren Schwester unterrichten. Blaise interessierte sich für Mathematik und Naturwissenschaften, doch sein Vater legte mehr Wert auf Sprachen und Grammatik und enthielt ihm mathematische und naturwissenschaftliche Literatur vor. Blaise brachte sich dennoch wesentliche Grundzüge der Geometrie selbst bei..."
Darstellungen der Kinderfrau Pascals, Ferrand, 1630; Lebensbeschreibungen der Schwester Gilberté Pascal in den Nachlassschriften, Paris, 1664, Hrsg. Jacques Trudeau; Aufzeichnungen des "Cour des Aides au XVIIe siècle", ed. française, "La Chronologie de France de la Conversation III", ed. 1912.
Eigens für die Darstellung der Beweisführungen fertigte
Pascal nach der Art des aus Asien stammenden
Roule-Spiels eine Platte, die mit 32 Löchern ausgestattet war, um den Fall der Karten dem stochastischen Prozess gegenüberzustellen. Für später erfolgende Untersuchungen war die Zahl 32 ungünstig, weil die Teilbarkeit der Zahl weniger Kombinationen als die Zahl 36 aufwies, zu der
Pascal zwei Raster fertigte - das 4 Kolonnen enthaltende neunreihige
Noventaraster und das 3 Kolonnen enthaltende zwölfreihige
Dutzendraster, von denen ich
Originalplattenaufnahmen bei Duprès in Südfrankreich gesehen habe. Insofern ist es schon lachhaft, bei
Wikipedia die Zuschreibung des
Roulette Pascal abzuerkennen mit dem Verwechslungshinweis auf die
Zycloide, die das "Kurvenverhalten einer Radlinie" darstellt. Gleichzeitig dichtet man ihm aber das nach ihm benannte Binominaldreieck an, das in Wirklichkeit von dem Inder
Halàyuda 400 Jahre vor
Pascal stammt.
Fotoplatten "Les trames du hasard et de la probabilité", Archive Duprès, Cannes, 1975/6; Plattenabzüge, Musée du Ranquet, Clemont-Ferrand; Prof.Dr. Hans Rheinfelder, Navarra, Pamplona, L'Ecole Pascal, 1948, ed. Morreaux, Deutsche Dante-Gesellschaft.
Im übrigen ist die von Dir, Sachse, zitierte Absprechung der Erfindung des Roulette durch o.a. Verwechslung ebenfalls eine solche spielgegnerhafte Eintragung bei
Wikipedia gewesen, die zwischenzeitlich entfernt wurde.
Googlen hat oft den Nachteil, dass man die Quellen nicht kennt oder deren Aktualität. Die Fülle erreichbarer Informationen sagt nichts über deren Qualität aus.
In der ersten Reihe der Fehlinformationen steht inzwischen leider auch
Wikipedia.
Literatur: Preußischer Kulturbesitz/Brandenburg, Deutsche Staatsbibliothek/Berlin, Universitätsbibliothek/Mathematische Fakultät/Berlin, paroli.de-Verlagsarchiv/Berlin.
Nachtfalke.
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