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Süchtige suchen - Suchtfragen des Alltags


278 Antworten in diesem Thema

#1 Café

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Geschrieben 05 February 2009 - 17:43

Beginnen wir:

Das Volk ist süchtig.

Hier ist der Link: 90 % der Menschen sind süchtig.

Das bedeutet: Unsere Volksvertreter sind auch süchtig und geht man von einer fiktiven Repräsentanz des Volkes im Parlament aus: zu 90 %. Wären es keine 90 %, sind unsere Repräsentanten keine Repräsentanten. Im Idealzustand sollen unsere Volksvertreter uns repräsentieren und da wir zu 90 % süchtig sind, müssten eigentlich unsere Volksvertreter genauso süchtig sein.

Aber ich, ich bin doch nicht süchtig.

Na, das werden wir ja sehen.


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#2 Café

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Geschrieben 05 February 2009 - 17:52

"Sucht <zu siech>, 1) krankhafte oder leidenschaftl. Gier. Bei krankhafter S. schädigt der Süchtige durch sein Verhalten seine Gesundheit und läßt in seiner Leistungsfähigkeit nach; schließlich kommt es zum Verfall der Persönlichkeit, so bei Trunk-S, (->Alkoholismus), S. nach Betäubungsmitteln (->Betäubung; Morphin-S. ->Morphin), Schlafmittel-S. (->Schlafmittel), S. nach ->Rauschgiften, nach Anregungsmitteln (so ->Nikotin) und nach Weckaminen wie ->Pervitin. - Behandlung: ->Entziehungskuren, Psychotherapie.
LIT. H. Seidel: Die Bekämpfung der Suchtgefahren als dt. Gegenwartsproblem (1953); W. Baumeister: Taschenbuch der Suchtkrankenfürsorge (1956); J. Cremerius: Was ist Süchtigkeit (1960)."
dtv-Lexikon, Band 18, München März 1973, S.50


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#3 Café

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Geschrieben 05 February 2009 - 18:16

Dazu meint Thomas Kahlix, Köln - auch mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Süchtiger - als Leserbriefschreiber in der Süddeutschen Zeitung vom 4./5. Oktober 2008 auf Seite 41:

"Absurdes Heilsversprechen

Abschied von der Gier
SZ vom 27./28. September

Abschied? Man muss weder religiöser Spinner noch gottloser Prophet sein, um die Absurdität dieses Heilsversprechens zu erkennen. Wie soll ein System, das von Gier (und nur von Gier) lebt, durch die Abkehr von seiner Existenzgrundlage errettet werden können? Also meint Alexander Hagelüken doch allenfalls, dass Gierbegrenzungsmechanismen installiert werden müssten. Aber welche denn bitte? Seit die Menschheit 'wirtschaftet', sind solche gefordert und ausprobiert worden - und haben versagt. Notgedrungen werden also radikalere Anstrengungen nötig sein, nicht etwa wie in Hagelükens Kommentar ein marodes System 'verschlimmbessern' zu wollen, sondern zur Suche nach wirklichen neuen Lösungen aufzubrechen. Unverzüglich.

Thomas Kahlix, Köln"


Welche Lösungen das sein sollen, wird leider nicht dargestellt? Aber es ist ja Hilfe unterwegs - wir sind ja Deutsche. Und wer Ausländer ist, möchte noch deutscher sein als die Deutschen - also noch radikaler. Da kommt wieder Leidenschaft hoch, jetzt wissen wir, wofür wir leben: Für eine "radikalere Anstrengung". Obwohl die Erkenntnis da ist: "Seit die Menschheit 'wirtschaftet', sind solche gefordert und ausprobiert worden - und haben versagt." Aber das ist die Lösung: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen: als kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Aber letztlich kann man sich beruhigen, irgendwo muss doch dieser Drang nach "radikaleren Anstrengungen" und "wirklichen neuen Lösungen" ausphantasiert werden. Die Gier muss doch auszumerzen sein.

Wie wäre es mit gieriger Askese?


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#4 Café

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Geschrieben 05 February 2009 - 18:32

"Diakonie und Casino beraten Spielsüchtige

BADEN-BADEN (epd). Das Diakonische Werk Karlsruhe und die Spielbank Baden-Baden kooperieren bei der Spielerberatung. Während 98 Prozent der Menschen, die Glücksspiele betreiben, gut damit umgehen können, gelänge dies einigen nicht aus eigener Kraft, erklärten die Suchtexperten in Karlsruhe. Allein im Großraum Karlsruhe gibt es Schätzungen zufolge etwa 2000 Glückspielsüchtige, in ganz Baden-Württemberg sind es etwa 16000. Davon sind 80 Prozent Männer.
Wie die Alkoholabhängigkeit sei auch Glückspielsucht eine psychische Erkrankung, sagte der Spielsuchtberater bei der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart, Martin Epperlein. Die Süchtigen seien unauffällige Leute, die sehr bedacht sind, Parallelwelten zu erhalten, damit ihr Glücksspiel nicht bekannt wird. Bei der Suchtberatung gibt es seit etwa fünf Jahren ein systematisches Beratungsangebot für pathologische Spieler. Dort werden jedes Jahr etwa 190 Spieler und rund 40 Angehörige erreicht. Alle zwei Wochen wird der Sozialpädagoge Epperlein auch in Karlsruhe Spieler und deren Angehörige beraten.
Das Konzept sieht auch eine Prävention in den Spielbanken und die entsprechende Schulung der Mitarbeiter vor. Grundlage dafür sei ein Modell der Luzerner Hochschule für soziale Arbeit, die das Projekt auch wissenschaftlich begleite. Die Spielbanken gingen offen mit dem Thema Spielsucht um, sagte Uwe Kniesel von den baden-württembergischen Spielbanken. So lägen in den Casinos von Baden-Baden, Konstanz und Stuttgart kleine Infozettel aus, die auf Beratungsangebote verwiesen."
Stuttgarter Zeitung vom 11. Juni 2005, S. 6

Also 16000 Spielsüchtige durch 2 sind 8000. Das Ganze mal 98 sind 784000 Spieler.

Die Frage ist, ob 784000 Spieler unter allen 16000 Spielsüchtigen leiden müssen, indem eine Kontrollitis über unser Land der freiheitlich demokratischen Grundordnung schwappt.


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#5 mauvecard

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Geschrieben 05 February 2009 - 18:54

unserer volksvertreter sind zu mindestens 95 - nicht 90 - prozent schlicht und ergreifend S Ä U F E R !!!

mein simpler vorschlag und damit auch forderung: wer im medizinischen sinne alkoholiker ist, darf kein offizielles amt ausüben und sich nicht politisch betätigen.

wer unterschreibt?

gruß mauvecard

#6 Café

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Geschrieben 05 February 2009 - 19:05

"Schlechte Karten

Der BGH urteilt über den stärkeren Schutz von Spielsüchtigen - vermutlich müssen Casinos verzockte Einsätze teilweise zurückzahlen

Von Klaus Ott

München - Mit einer einprägsamen Parole will die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Birgit Fischer ihre Landsleute vor Unheil bewahren: 'Ich mach das Spiel nicht mit.' So lautet das Motto einer landesweiten Aktion gegen die Glücksspielsucht. In Deutschland sind nach Angaben von Fischers Ressort 150000 Menschen dem Nervenkitzel beim Roulette oder am Automaten verfallen. Gezielte Gegenmaßnahmen seien dringend geboten, sagt die Ministerin. Nordrhein-Westfalen wolle darum auch als erstes Bundesland das Glücksspiel zu einem weiteren Schwerpunkt der Suchtprävention machen.

Als erstes Bundesland könnte NRW demnächst aber auch höchstrichterlich bescheinigt bekommen, diese Sucht zu fördern. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe prüft, ob manche Gäste in den quasi staatlichen Casinos in Nordrhein-Westfalen in einer Art und Weise abkassiert werden, die mit Recht und Gesetz nicht mehr vereinbar ist. Die Westdeutsche Spielbanken GmbH (Westspiel) wehrt sich in Karlsruhe dagegen, Einsätze an Besucher zurückzahlen zu müssen, die trotz einer Sperre weiter zocken durften. Die Chancen von Westspiel, nach Niederlagen in den vorherigen Instanzen einer weiteren Verurteilung zu entgehen, sind nach der mündlichen Verhandlung am Donnerstag eher mäßig. Das Urteil wird am 15. Dezember verkündet.
In Karlsruhe geht es um zwei Spieler aus Bielefeld und Schwerte, die im Casino Dortmund-Hohensyburg viel Geld verloren haben. Das Dortmunder Casino wird vom Westspiel betrieben, die sich im Besitz der NRW Bank befindet. Die wiederum gehört dem Land und den Kommunen. Die beiden Gäste hatten sich eines Tages für weitere Einsätze sperren lassen, um sich sozusagen vor sich selbst zu schützen. Trotzdem konnten sich die zwei im Dortmunder Casino mittels Kreditkarten weiterhin höhere Beträge auszahlen lassen, die sie prompt wieder verzockten. Einer der beiden Stammkunden wurde an einem einzigen Abend von dem Angestellten, an einem einzigen Abend von den Angestellten an einem Telecash-Gerät zwanzig Mal bedient, mit insgesamt mehr als 5000 Euro. Die Ehefrauen der zwei Spieler verlangten später bei Gericht einen Teil des Geldes zurück und bekamen von der Justiz in Nordrhein-Westfalen Recht. Immerhin hat einer der beiden Lebensversicherung und Altersvorsorge verspielt sowie den Job verloren.
Auch in Karlsruhe hat die Westspiel GmbH mit ihrem Geschäftsgebaren schlechte Karten. Die Casinos der staatlichen Glücksspielkette teilten gesperrten Spielern in den vergangenen Jahren lapidar mit, sie hätten keinen Anspruch auf Schadenersatz, falls sie trotzdem zockten und 'Verluste erleiden'. Bei einem Erfolg werde andererseits 'der gewonnene Betrag nicht ausgezahlt', da wegen der Sperre kein wirksamer Vertrag vorliege. Der Versuch, diesen Widerspruch vor dem BGH plausibel zu machen, misslang Westspiel. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Schlick sprach von einem 'geistigen Salto'.

Der in Herford in NRW ansässige Fachverband Glücksspielsucht, der sich um solche Fälle kümmert, hofft auf ein wegweisendes Urteil der BGH. Zusätzliche Kontrollen in den Casinos seien nötig, sagt Verbandschefin Ilona Füchtenschnieder. Dort müssen bislang nur die Besucher von Roulette und Black Jack ihre Ausweise vorlegen. Die Automatensäle, wo längst mehr Geld verzockt wird, sind frei zugänglich - ein Risiko für Spieler und Spielbanken. Nach Angaben des Fachverbandes hat das Landgericht Münster die Westspiel GmbH diese Woche in einem anderen Verfahren dazu verurteilt, 62000 Euro zurückzuzahlen, weil eine Sperre nicht funktioniert habe.

Ministerien Fischer ruft dazu auf, bei Automaten besonders vorsichtig zu sein. Ihr Ressort rät: 'Bitte nicht füttern.' "
Süddeutsche Zeitung vom 2. Dezember 2005, S. 14


Interessant ist, dass in NRW lediglich 150.000 Spielsüchtige in Deutschland offiziell geschätzt wurden, während in der Süddeutschen Zeitung des vergangenen Wochenendes - wohl als Reaktion auf die Anzeige des Spielautomatenverbandes - plötzlich von 104.000 bis 400.000 Spielsüchtigen die Rede ist. In anderen Worten - man weiss nichts Genaues. Es bestätigt wieder das Dilemma: Erst verbieten, dann forschen - wohlwissend, dass auch für den Gesetzgeber gilt: Übermaßverbot beim Eingriff in die Grundrechte. Was gilt es abzuwägen: die Grundrechte der baden-württembergischen 784.000 Spieler oder die Grundrechte der 16.000 Spielsüchtigen?

Die Frage ist doch auch, warum es überhaupt ein Geldautomat im Casino gibt. Weiter stellt sich die Frage: Wenn es ein Geldautomat im Casino gibt, warum dieser nicht so programmiert ist, dass man nur einmal oder zweimal oder - je nachdem wie dies politisch gewollt ist - x-Mal Geld abheben kann.

Es gibt auch andere Wege - wenn man will.


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#7 Café

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Geschrieben 06 February 2009 - 16:30

Der Mann gefällt mir. Endlich einmal jemand, der den Mut hat, das auszusprechen, was er früher nicht wagte, vorzutragen, obwohl er einem Verband vorsaß, der eigentlich aus Mitgliedern besteht, die geballtes Wissen vermuten lassen:Angehängte Datei  Rogowski.jpg   148.34K   57 Mal heruntergeladen


Süddeutsche Zeitung vom Oktober 2008


Wahrscheinlich waren sie mehr miteinander beschäftigt.

Soweit zum Thema Gierbegrenzung.



Café :bigsmile:

#8 Café

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Geschrieben 06 February 2009 - 18:11

Ich möchte jemand vorstellen, der scheinbar und mutmaßlich unter einer Sucht leidet... aber vielleicht auch nicht:


Immer wenn die Sucht kommt, gibt es Hoffnung mit diesem Link: Einfach anklicken.


Café :bigsmile:

#9 Café

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Geschrieben 06 February 2009 - 18:20

Dichterische Freiheit auf die Sucht:


Oh' Du Sucht: Suchst Du mich? Ach geh' doch weiter: Einfach hier klick und beibei.



Café :(

#10 Frodo01

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Geschrieben 06 February 2009 - 18:58

Beitrag anzeigenCafé sagte am 6 Feb 2009, 16:30:

Der Mann gefällt mir. Endlich einmal jemand, der den Mut hat, das auszusprechen, was er früher nicht wagte, vorzutragen, obwohl er einem Verband vorsaß, der eigentlich aus Mitgliedern besteht, die geballtes Wissen vermuten lassen:Anhang Rogowski.jpg
Süddeutsche Zeitung vom Oktober 2008
Wahrscheinlich waren sie mehr miteinander beschäftigt.

Soweit zum Thema Gierbegrenzung.
Café :(

Seltsam nur das die Landesbanken so einen Schrott kaufen, z.B. WestLB etc wobei die sich mit VW verzockt haben,
da muß man sich fragen ob's bei den Bänkern auch Spielsüchtige gibt :saufen:

Bearbeitet von Frodo01, 06 February 2009 - 18:59.


#11 mauvecard

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Geschrieben 06 February 2009 - 20:29

die banken habe mit abstand noch mehr leichen im keller, als die öffentlichkeit sich vorstellen kann oder will...

momentan ist ja alles easy auf die globalisierung und die finanzkrise zu schieben... aber dass die idioten bürogebäude wie die bekloppten finanziert haben über jahrzehnte, wo jeder halbgescheite hausmeister dir sagen konnte, dass da nie ein mieter einzieht, darüber wollen wir jetzt ja nicht mehr reden, oder: jupp ackerarsch???

gruß mauvecard

#12 Café

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Geschrieben 09 February 2009 - 19:25

Beitrag anzeigenCafé sagte am 6 Feb 2009, 16:30:

Der Mann gefällt mir. Endlich einmal jemand, der den Mut hat, das auszusprechen, was er früher nicht wagte, vorzutragen, obwohl er einem Verband vorsaß, der eigentlich aus Mitgliedern besteht, die geballtes Wissen vermuten lassen:Anhang Rogowski.jpg
Süddeutsche Zeitung vom Oktober 2008
Wahrscheinlich waren sie mehr miteinander beschäftigt.

Soweit zum Thema Gierbegrenzung.
Café :bigsmile:


Er meint wohl die


Credit Default Swaps.


Warum sollen diese nicht gegen den Glückspielvertrag verstoßen? Hier scheint ein Verstoß von Artikel 3 Grundgesetz (Gleichheitsgrundsatz) vorzuliegen.



Café :bigsmile:

Bearbeitet von Café, 10 February 2009 - 14:38.


#13 Café

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Geschrieben 10 February 2009 - 16:26

"Die große Sucht nach dem 'Kleinen Spiel'
Verhindert Meinungsstreit zwischen Ministerien stärkere Kontrollen in den Automatensälen der rheinland-pfälzischen Spielbanken?

MAINZ (ros). Der Fall, über den das Landgericht Frankenthal derzeit verhandelt, wirft Fragen auf: Der Filialleiter einer Bank im Kreis Bad Dürkheim soll rund 600.000 Euro an Kundengeldern veruntreut und das Geld im Verlauf von fünf Jahren im Automatensaal der Spielbank Bad Dürkheim verspielt haben. Doch wie kann solch eine ruinöse Spielerkarriere über Jahre hinweg unentdeckt bleiben - in der Bank und auch im Casino? RHEINPFALZ-Recherchen ergaben: Die Zugangskontrollen für die Automatenbereiche der rheinland-pfälzischen Spielbanken sind immer noch lückenhaft. Eine Verschärfung scheiterte bisher offenbar an Meinungsverschiedenheiten zwischen Innen- und Finanzministerium.

Ausweiskontrollen zur Überprüfung der Casino-Gäste erfolgen in den rheinland-pfälzischen Spielbanken gegenwärtig nur für das so genannte Klassische Spiel - also Roulette und Black Jack. Vor allem spielsüchtige Kunden sollen so vor sich selbst geschützt werden. Rund 30.000 Menschen sind in Deutschland fürs Casino gesperrt, teilweise haben sie sich selbst auf diese Sperrlisten setzen lassen. Die Zahl der Spielsüchtigen insgesamt liegt - groben Schätzungen zufolge - aber mit 100.000 bis 400.000 Menschen noch wesentlich höher. Dennoch gibt es beim Zutritt zu den Automatensälen - im Branchenjargon harmlos 'Kleines Spiel' genannt - nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums lediglich eine Sichtkontrolle; in erster Linie geht es hierbei darum, offenkundig minderjährige Personen am Spielen zu hindern.

'Er hat sich in jeder freien Minute um Kopf und Kragen gespielt'

Diese vergleichsweise eher laxen Zugangskontrollen stehen im Widerspruch zur gewachsenen Bedeutung, die das Automatengeschäft für die Spielbank-Betreiber hat. Bundesweit stammen mittlerweile über 70 Prozent der Spielbank-Umsätze aus den Automaten. Das Interesse an Roulette und Kartenspielen wie Black Jack geht dagegen zurück - so auch teilweise in Bad Dürkheim. Ganz im Trend wurde deshalb im vergangenen Jahr in der Dürkheimer Spielbank der 1978 eröffnete Automatensaal für rund 450.000 Euro modernisiert und auf Las-Vegas-Atmosphäre getrimmt. In der Anonymität diese Automatensaals soll der 31-jährige Bank-Mitarbeiter, wie zuletzt am 22. April berichtet, teilweise bis zu 5000 Euro am Tag verzockt haben - unbemerkt. Sein Anwalt Bernd Lütz-Binder (Landau): 'Er hat sich in jeder freien Minute um Kopie und Kragen gespielt.'

Spielsüchtige sind vor allem an den Automaten zu finden. Studien zufolge zeigen bundesweit bis zu 30.000 der Automatenspieler ein 'pathologisches Spielverhalten'. Die Konferenz der Innenminister hatte deshalb bereits 2004 verschärfte Zugangskontrollen für den Automatenbereich der Spielbanken gefordert - inklusive einer Ausweispflicht. Damit könnte dann auch hier ein Abgleich der Besucherdaten mit den Sperrlisten erfolgen. Eine solche Neuregelung wäre für die Länder eigentlich problemlos durchsetzbar, weil sie die Konzessionen für die Spielbanken vergeben. Doch passiert ist bisher wenig. 'Das ist nie konsequent weiterverfolgt worden', heißt es in der Branche - wohl auch weil die Finanzminister gebremst haben.

Sorge im Finanzministerium: Spieler könnten abwandern


Im rheinland-pfälzischen Finanzministerium begründet man die Zurückhaltung mit dem Wettbewerb zwischen den - staatlich konzessionierten - Spielbanken und den gewerblichen Spielhallen, wie sie auch in vielen pfälzischen Innenstädten aus dem Boden geschossen sind. Ausweiskontrollen an den Automatensälen der Spielbanken würden diese gegenüber der gewerblichen Konkurrenz benachteiligen, denn für Spielhallen seien solche Auflagen nicht möglich. Ein Sprecher des Finanzministeriums sorgt sich deshalb: 'Automatenspieler gehen dann in die Spielhallen, die würden sich dann besser stellen.'

Was sind die Motive für diese Argumentation? Auch wenn es niemand so formuliert, denkbar wäre dieses: Das Land verdient an den von ihm konzessionierten Spielbanken einfach deutlich mehr als an den privatwirtschaftlichen Spielhallen. Die Spielbank Bad Dürkheim muss beispielsweise 77 Prozent ihres Brutto-Spielertrags - im vergangenen Jahr waren dies knapp über 20 Millionen Euro - an das Land abführen, weitere zehn Prozent des Umsatzes gehen zudem an die Stadt Bad Dürkheim. Einen durch Ausweiskontrollen verursachter Rückgang des Automatenspiels in den rheinland-pfälzischen Spielbanken bekäme demnach auch der Finanzminister zu spüren.

Demgegenüber bekräftigte das Innenministerium in Mainz auf RHEINPFALZ-Nachfrage seine Position, wonach Zugangskontrollen auch für das Kleine Spiel 'beabsichtigt' seien. Bezeichnenderweise heißt es aber dazu weiter: 'Ein Zeitpunkt, wann diese Kontrollen in Rheinland-Pfalz eingeführt werden, kann noch nicht genannt werden.' Eine Einigung mit dem Finanzministerium ist mithin offenkundig noch nicht erfolgt.

Andere Länder sind dagegen schon weiter. Ein Sprecher des bayrischen Innenministeriums bestätigte, die Spielbanken im Freistaat würden ab 2008 die Ausweiskontrolle an ihren Automatensälen einführen. In den Konzessionsverträgen seien bereits entsprechende Verpflichtungen verankert worden. 'Das ist eine sinnvolle Geschichte, um die Spielsucht einzudämmen', sagte der Ministeriumssprecher. Noch ein Positiv-Beispiel: In den Häusern der Saarland-Spielbank wird derzeit ein selbst entwickeltes Kontrollsystem installiert, wie Spielbank-Chef Alfons Ewen sagt.

Von einem Ausbau des Spieler- und Jugendschutzes in allen Bundesländern, wie es die Innenministerkonferenz für das Automatenspiel gefordert hatte, ist man jedoch noch weit entfernt. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Dezember 2005 könnte die Diskussion um verschärfte Zugangskontrollen vielleicht aber weiter voranbringen. Danach sind die konzessionierten deutschen Spielbanken im Rahmen des Möglichen verpflichtet, die Selbstsperren von Spielern auch im Automatenbereich zu überwachen und durchzusetzen. Im konkreten Fall wurde ein Casino dazu verurteilt, zwei Spielsüchtigen, beziehungsweise deren Ehefrauen, verlorene Einsätze zurückzuerstatten, weil die Sperren nicht ausreichend kontrolliert worden waren.

Auch vor diesem Hintergrund ist der Direktor der Spielbank Bad Dürkheim, Michael Seegert, der Ansicht, dass es Änderungen bei der derzeitigen Sperrpraxis geben muss. Die Haftung der Spielbanken müsse geklärt werden: 'Unsere eigenen Sperren können wir sicherstellen, aber wer sich beispielsweise in Hamburg hat sperren lassen, kann hier unter Umständen nicht identifiziert werden.' Man nehme das Problem Spielsucht und Spielerschutz sehr ernst, er habe aber die Sorge, dass dieses Thema derzeit hoch gespielt und 'damit das Kind mit dem Bade ausgeschüttet' werde. Seegert: 'Wollen Sie denn beispielsweise jeden Wirt verantwortlich machen, wenn ein Alkoholsüchtiger bei ihm etwas trinkt?'

'Das würde auffallen, da würden wir hinsehen'

Zur Verbesserung der Zugangskontrollen könnte sich Seegerts für die Bad Dürkheimer Spielbank ein so genanntes biometrisches Erkennungssystem vorstellen: Per Video-Überwachung werden dabei Gesichtsbilder mit in einer Datenbank gespeicherten Merkmalen gesperrter Spieler abgeglichen. In der Spielbank Hamburg, wo diese Technik erprobt wird, ist man begeistert: 'Wir müssen nicht Tausende von Gästen kontrollieren, um ein schwarzes Schaf zu finden.'

Hätte aber mehr Kontrolle den Fall des vorderpfälzischen Bank-Mitarbeiters und das Verzocken von 600.000 Euro verhindern können? Schwer zu beurteilen: Denn der Mann war nicht gesperrt. Michael Seegert hält es auch ohne verschärfte Zugangskontrollen für 'ausgeschlossen', dass in Bad Dürkheim jemand unbemerkt 5000 Euro am Tag im Automatensaal lassen kann: 'Wir sind eine kleine Spielbank, das würde auffallen, da würden wir hinsehen.' Am Ende des Verfahrens am Frankenthaler Landgericht wird man vielleicht wissen, ob diese Zuversicht wirklich immer zutrifft. - Kommentar"

Die Rheinpfalz vom 6. Mai 2006, S. 3_ESWZ



Was nützt nun die ganze Technik, wenn es jemand "gepackt" hat? Gibt es zukünftig nun eine "Gefühlskontrolle"? Was wäre, wenn derjenige/diejenige sich diese Gefühle nur zum Zeitpunkt der "Gefühlskontrolle" vorstellt? Und das alles wegen einem Prozent der Besucher? Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch politisch wünschenswert - es sei denn, es dient zur Einschüchterung. Wer nichts zu verbergen hat, kann sich beruhigt kontrollieren und beschnüffeln lassen - ist ja das gängige Argument. Fragt sich bloß, warum das Bundesverfassungsgericht ein informationelles Selbstbestimmungsrecht eingeführt hat.




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Bearbeitet von Café, 10 February 2009 - 16:27.


#14 Café

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Geschrieben 11 February 2009 - 11:49

Link zur Meinung: Es gibt keine Sucht.


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#15 Café

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Geschrieben 11 February 2009 - 11:57

Gibt es eine spezielle Pokersucht? Wie sieht sie aus? Gibt es bestimmte Merkmale einer Pokersucht? Welchen Anforderungen muss ein Suchtverdächtiger genügen, um als Pokersüchtiger in besonderem Maße eingestuft zu werden?


Folgender Link schlägt Verdachtsmomente vor: Verdacht auf Pokersucht



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