Hallo Optimierer,
drei Dinge in der Mathematik bereiten meist sehr große Schwierigkeiten:
a) Die Anwendung und der Umgang mit "Nullen" und der damit einhergehenden falschen Dezimalstellensetzung,
b) der Bruchrechnung (woran viele Studierte sogar oft verzweifeln - man soll es kaum für möglich halten, denn komplizierte Sachverhalte begreifen sie zumeist, nur die einfachen nicht - Ironie des Schicksals

) und
c) Grenzwertbetrachtungen d.h. u.a. Betrachtungen im Unendlichen, für die es ja in der Mathematik auch konkrete Rechnungen gibt. Man muss sich ja nicht (nur) auf empirische Werte verlassen.
Oben meine Erklärungen waren mehr textlicher Natur, damit die Leser des Forums das auch nachvollziehen können. Aber oft ist die Sprache natürlich nur sehr bedingt in der Lage, das zu beschreiben, was mathematisch eigentlich völlig eindeutig ist. Nun muss ich leider mathematischer werden. Vorab: mir geht's in keiner Weise darum, Dich hier persönlich anzugreifen, sondern nur um die Sache selber. Ich schreib's nur extra dabei, weil ich oft genug im Forum gelesen habe, wie derbe die Diskussionen oft enden, weil die Diskussionsteilnehmer sich persönlich angegriffen fühlen. Dich schätze ich nicht so ein und halte Dich für einen vernünftigen Kerl, daher wage ich es mal...:
Du schreibst:
Zitat
"...Meine Kurve zeigt "die Anzahl Vorkommen für jede dieser Serienlängen, und zwar über sehr lange Strecke, d.h. sehr viele Coups, meinetwegen auch undendlich viele Coups. Sie ist das Ergebnis einer Messung..."
hieraus extrahiert:
Zitat: "...und zwar über sehr lange Strecke..." vs. Zitat: "...meinetwegen auch undendlich viele Coups..."
Was denn nun von beiden? Das ist ein "unendlich großer" Unterschied, denn z.B.
1.000.000 mal die "sehr lange Strecke" ist immer noch unendlich viel kleiner wie die Unendlichkeit selber.
Zitat: "...Sie ist das Ergebnis einer Messung..."
Schon hierin liegt ein Widerspruch. Warum? Wie Du oben richtig bemerkst, ist eine Messung endlich. Folglicherweise stimmt Deine Rechnung zu 100% - aber nur als Durchschnittsbetrachtung über einen endlich langen Zeitraum! Und die ist vollkommen ohne Belang. Denn sie sagt nur aus, dass z.B. 1000 Leute diese Verteilung im Mittel alle erleben werden. Sie sagt nichts über die Streuung des tatsächlich Erlebten jedes Einzelnen aus.
Im obigen Bezug heißt das:
Über Grenzwertrechnungen lässt sich der Limes gegen positiv Unendlich bei n gegen unendlich ja eindeutig errechnen. Er beläuft sich als Ergebnis eben auf "positiv unendlich" und nicht auf irgendeinen "festen Wert". Um es wieder mal textlich umzusetzen (Alles nur jämmerliche Versuche meinerseits

):
Wir haben zu akzeptieren, dass es nach oben hin keine Grenze gibt, dass also Serienlängen beliebig großer Länge auftreten können. Was ein Mensch im Durchschnitt seiner Lebenszeit tatsächlich erlebt, weiß keiner. Man "vermutet" das ja nur, weil in der Praxis vielleicht noch keine Serie größerer Länge als 37 auf den Einfachen Chancen beobachtet wurde. Also rein empirisch. Jedoch kann sich dies jederzeit ändern. Im Unendlichen aber "müssen" längere Serien auftreten, das beweist die Grenzwert-Rechnung eindeutig und zweifelsfrei!! Das muss ja auch so sein, weil über einen bestimmten beobachteten Zeitraum hinweg ja dahinter immer noch was Längeres folgen "muss", damit zum Schluß alles ausgeglichen ist, auch die größten Serien...
Akzeptiert man nun weiter, dass in dieser Unendlichkeit aller gefallenen Coups am 11. März 2009 ab 14 Uhr am Tisch 1 der Spielbank Bad Homburg auf dem Chancenpaar Rot/schwarz eine dieser unendlich großen Serien auftritt, nämlich eine 55er Serie (fernab jeder 3-Sigma-Grenze) und der Spieler "Optimierer" genau zu diesem Zeitpunkt (in seinem Zeitfenster) an diesem Tisch auf Rot/Schwarz spielt, so wird er diese für unmöglich gehaltene 55er-Serie "real" erleben, obwohl sie ihm lt. mathematischer Durchschnittsbetrachtung nicht zusteht. Es ist nur die Situation - der Moment, der wichtig ist, sonst nichts. Man kann sich in ihm ruinieren, wenn man auf Ausgleich setzt (womöglich mit einer fatalen Verlustprogression) und man kann ein Vermögen machen, wenn man in diesem Moment die Richtung des Zufalls richtig deutet und ihm folgt - auch wenn dies fernab unserer Vorstellungskraft bar jeder Logik liegt. Zufall ist nicht logisch. Er hat nur ein enges Korsett: Die Wahrscheinlichkeitsgesetze und diese sind wiederum eingebunden in die Naturgesetze. Jedoch schließt dies niemals und zu keinem Zeitpunkt aus, dass selbst die 6-Sigma-Grenze kurzfristig durchbrochen werden kann, denn die Wahrscheinlichkeitstheorie betrachtet immer nur Durchschnittswerte. Das muss man immer im Hinterkopf behalten. Die Mathematik spielt also bei Betrachtungen des Zufalls nur eine recht untergeortnete Rolle. Sie ist nur Vehikel in meinen Augen - ein Hilfsmittel - mehr nicht. Im Hinblick auf die Endlichkeit liegt die Häufigkeit solcher Erscheinungen nahe Null, im Hinblick auf die Unendlichkeit aber ist die Häufigkeit auch solcher Erscheinungen etwas vollkommen Normales.
"Ausfransung" (bei endlicher Betrachtung) bedeutet ja nicht, dass die Serienlängen zum Ende hin kürzer oder weniger oft ausfallen müssen. "Ausfransung" bedeutet hier lediglich, dass das "Gesetz der Großen Zahl" hier nicht mehr wirkt und damit die Verteilungsgesetze, die normal herrschen (alles ist letztlich ausgeglichen im Roulette bei hinreichend großem n), an dieser Stelle nicht mehr wirken. D.h. aber doch nichts anderes, das es gleichwahrscheinlich ist, an dieser Stelle statt einer 37er-Serie auch eine 40er, 45er oder noch viel längere Serie zu erleben, die wir rein zufällig antreffen, weil wir eben ganz zufällig im richtigen Zeitfenster am richtigen Ort waren und an der Teilmenge dieser Coups teilnehmen durften.
Und daher komme ich abschließend zu dem Ergebnis und bestätige Nachtfalkes Aussage:
Zitat
"...Ein Ende der Linie gibt es nicht.
Die Linie ist -gegenüber der Strecke- ohne Begrenzung..."
q.e.d.
Liebe Grüße
nunu