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mauvecard sagte am 3 Dec 2008, 09:33:
"...was die berliner sich auf ihre blöde brühwurst mit und ohne darm einbilden, wird mir ewig ein rätsel bleiben..."
Das höre ich's erste Mal... ...
... ...dass die die Brühwürste anderswo intelligenter sein sollen

als in Berlin.
Ich komme aus dem Bergischen und bin
Wahlberliner. Da habe ich genügend Abstand, nicht aus Lokalitätsbezogenheit das eine oder andere "patriotisch" zu loben oder zu tadeln.
Im Verlauf meiner Ausführungen werdet ihr gleich verstehen,
warum ich ein völlig roulettefremdes Thema mal "breit trete" hier im Forum:
Ich bin kein
"Wurstfan".
Ein Lebensmittelchemiker hat mir mal was über die
Deutsche Wurstverordnung erzählt und wie sie sich im Zuge der
EUisierung Deutschlands den Bedingungen des Auslands mehr und mehr anpasste - und seitdem ich weiß, was so alles in die verschiedenen Fleischabfälle der Schlachthöfe 'reingemischt wird
(von komplett verkochten Tierköpfen über Innereien und zermahlenem Knochenmehl bis zu Milcheiweis, Farb- und Geschmacksvestärkern, überlagerten Gewürzen, Aromen und Konservierungsstoffen) und seitdem ich zudem weiß, dass dies bei der bay'rischen Weißwurst, der rheinischen Rotwurst und der Berliner Ketwurst überall gleich ist, stehe ich dem Begriff
Wurst allgemein recht skeptisch gegenüber.
Strolchi ist da Fachmann und wird's sicher bestätigen: heute ist es nicht mehr unbedingt ratsam, zur Wurst zu greifen

wenn man gesund leben will.
Was die von euch angesprochene Currywurst betrifft -in meinem
Lebenslauf könnt ihr meinem bundesweiten gastronomischen Engagement entnehmen, dass ich mich in vielen deutschen Regionen mit der Materie notgedrungenermaßen zu beschäftigen hatte-
geht ihr von einem Vergleich aus, der keiner sein kann.
Die vom guten, alten
Grönemeyer besungene Currywurst,
die ruhrpöttische Variante, hat nur vom Namen her was mit der Currywurst in Berlin zu tun, weil die meisten deutschen Currywurstzubereitungen nur eine Billigkopie derselben sind.
Das ist keine Behauptung, die ich hier in den Raum stelle, sondern eine unumstößliche Tatsache.
Die Berliner bilden sich überhaupt nichts ein auf ihre Würste.
Warum sollten sie

??
Aber sie haben einen besonderen, einmaligen Bezug zu ihren Würsten!
Es ist ein reiner
Traditionsbezug, wie die
Bayern sie auf ihre
Weißwurstprodukte haben und die
Nürnberger auf ihre Bratwürste.
Der Grund ist: Bevor die Currywurst ihren weltweiten Siegeszug angetreten hat gab es sie hier in Berlin.
Tatsache ist:
Die Currywurst wurde in Berlin erfunden!
Die Zuschreibung der Erfindung der Currywurst einer gewissen
Lena Brückner in
Hamburg entstammt dem Erfindungseichtum des Autors
Uwe Timm, der in einem Roman die besagte Dame im Jahr 1947 stolpern lässt und dabei versehentlic Curry und Ketchup vermischen lässt. Dies ist im zerstörten Nachkriegsdeutschland der Lebensmittelrationierung jedoch kaum möglich, denn über Gewürze (geschweige Curry!) verfügte man seinerzeit noch nicht und Ketchup kam erst in den 50iger-Jahren auf. Die entrüsteten Berliner drohten dem Verlag sogar an, sie würden klaen, wenn der als dokumentarische Novelle aufgemachte Bestseller nicht vom Buchmarkt genommen oder der Tatsachencharakter im Buch nicht revidiert werde. So räumte schliesslich der Autor ein, dass es die Person "Lena Brückner" nie gegeben habe; sie sei eine fiktive Romanfigur.
Nein.
Die wenigsten wissen, dass die
Currywurst ein Berliner Gericht ist.
Erfunden wurde sie hier.
Und zwar wenige Meter!!!! vom Sitz unseres Verlagsarchivs entfernt in der Kantstraße / Ecke Kaiser-Friedrich-Straße -
ich kann während ich den Beitrag hier schreibe, auf das Haus sehen!!
Die Tochter der Erfinderin kenne ich persönlich und ich weis so manches über die Geschichte dieser Wurst, was in keinem Buch und nirgends im Internet steht.
Der Tag, wann sie erfunden wurde, steht fest.
Es war
die Nacht vom 4. auf den 5. September 1949.
Hier in
Charlottenburg im Raum
Kurfürstendamm-Kantstraße-Bahnhof Zoo war das Zentrum des Westsektors, wo die Alliierten in den Jazzclubs, Bars, Varietés und Stripläden das Nachtleben des Nachkriegsberlins bestimmten.
In dieser Septembernacht mischte eine Imbissbudenbetreiberin Tomatenmark mit einem ihr unbekannten indischen Gewürz, dass ihr der bei den englischen Besatzungstruppen beschäftigte
G. Byrnes (der hierfür wegen Entwendung von Truppenrationen bestraft wurde) besorgt hatte,
Pfeffer und geriebenen Paprika. Die Aufzeichnungen der handschriftlichen Mischungsverhältnisse jener Nacht sind in Berlin ausgestellt - die Originalrezeptur, mit der innerhalb kurzer Zeit Millionen DM umgesetzt wurden ist aber nicht dabei, weil die Gewürze der ein Jahr später zusammengestellten "Original"-Sauce auf Grund der Versorgungsmängel noch nicht beschaffbar waren.
Und nun zu den anfangs von mir angedeuteten lebensmittelhistorischen Unterschieden:
Die Oiginal Currywurst ist eine mit völlig anderer "Fleisch"zusammensetzung hergestellte
Dampfwurst - entlehnt der Rezeptur der ostdeutschen
Ketwurst.
Im Zuge der durch die seinerzeit von den amerikanischen und englischen Alliierten eingebrachten
Chips, (bei den Franzosen
Pommes Frites) setzten sich nach dem Krieg Imbissstände mit Fritiereinrichtungen durch, die auf Grund der Vereinfachung eine
Fritierwurst nach sich zogen. Fritiert Kartoffelstücke mit gesalzener Mayonaise, fritierte Wurststücke mit Ketchup und fritierte Krabben mit Remoulade sah man allerorts in Spitztüten mit Holzpickern in den Händen der Fußgänger - ein Nachkriegstrend.
Aus diesem Grund verbreitete sich die Wurst im damaligen Westdeutschland als
im Ölbad erhitzte oder gebratene Wurst, deren Beschaffenheit logischerweise eine völlig andere ist.
So ist die allgemeine deutsche Currywurst heute allein aus herstellungstechnischen Gründen der Anbieter zumeist eine
Bratwurst geworden, auf die Curryketchup, bzw.
Ketchup mit Currypulver gestreut wird.
Sie ist also von der Rezeptur als auch von der Zubereitung eine völlig andere und hat logischerweise den für Bratwürste nicht notwendigen dickeren Darm, ohne den die
Brühwurst platzen würde; dieser wurd von vielen (Touristen!) in Berlin als störend empfunden, sodass man die Currywurst
den Gästen der Stadt zuliebe heute auch ohne Darm anbietet.
Die Currysauce wird
in Deutschland im Allgemeinen nicht eigens für die Currywurst vom Gastronomen zubereitet, sondern in
FastFoodweise mit der Ketchupversion immer diesen süßlich gestreckten Beigeschmack haben.
In Berlin hingegen gibt es
Traditionsstände, die noch selbst die Tomaten einkochen und die Currymixtur eigenhändig aus
Ingwer, Cardamom, Curcumin, Coriander und
Nelken einrühren und mit
Piment und
Chillischotenpulver schärfen. In den Topp-Traditionsetablissements (Currywurst für > 8 €!) werden frischer Muskat, Limettengras, Bockshornblättchen, per Hand getrocknete Paprika hineingerieben.
So ist die Berliner Sauce im Allgemeinen tomatig herb, die andernorts verbreitete ketchupartig
(american).
Bis auf den Namen und das es eine Wurst ist, haben sie somit
nichts (!) gemeinsam.
Bouletten (keine Frikadellen!!!, ebenfalls etwas eigenständiges) und Currywurst gelten als
Nationalgericht der Region und werden gepflegt.
Woanders sind sie lediglich eine Speiseplanergänzung. Zudem ist die Berliner Currywurst bekömmlicher, weil sie im Original aus frischen Zutaten zubereitet wird und kaum Fett enthält.
Die Tradition der Wurstkessel im Szenekiez
Prenzlauer Berg reicht bis 1929 zurück, wo
Mario Konnopke das Geschäft seines Vaters übernommen hat, der als erster mit tragbaren Kesseln durch den Bezirk marschierte. Seine Spezialität ist die Berliner Ur-Dampfwurst in der in Stücke partitionierten Warmhaltung (dadurch leicht aufgequollen) mit einer eigenen indischen Saucencreation in unveränderter Rezeptur seit den 50iger-Jahren.
Alles ist amtlich belegt durch Patentanmeldung der Erfinderin der Currywurst
Herta Heuwer unter dem Patentnamen
Chill Up (weil bei ihrer Currymischung der anfänglich in den Nachkriegsjahren aus Gründen der Beschaffungsschwierigkeit beigemischte Pfeffer gegen Chilli ausgetauscht wurde). Die Location der inzwischen verstorbenen Dame ist ein Walfahrtsort für Wurstfans aus aller Welt, ausgestattet mit einer in die Wand eingelassenen Gedenkplatte in der Kantstraße 101.
Eine dem Original nahekommende Currywurst wurde seinerzeit im
Jagdhaus Eiken in der
Spielbank Bad Zwischenahn im
Spielsaal auf Beistelltischen nahe der Tableaus serviert. Preiswert und durchaus zu empfehlen! Mayonaise, Ketchup und eine eigene Toamtencurrysauce werden da in Silbersaucieren aufgetischt, damit's nicht tropft am Spieltisch.
... ...und wir sind jetzt das einzige Roulette-Forum im Internet mit der erschöpfenden Ausführung über die Geschichte der Currywurst
Nachtfalke.
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